Feier zum Reformationstag in Altdorf bei Nürnberg
„Gestalten statt spalten“

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, forderte in Altdorf während einer Veranstaltung zum Reformationstag mehr Toleranz gegenüber Religionen. Bild: dpa
Politik BY
Bayern
01.11.2016
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Schon im Vorfeld hatte die Feier zum Reformationstag in Altdorf für Wirbel gesorgt. Dazu einen muslimischen Verbandschef einzuladen, sei eine "Islamschweinerei", hatte ein örtlicher CSU-Politiker gewettert - und damit erst recht für eine volle Stadtkirche gesorgt.

Altdorf. Nach der Diskussion um islamkritische Aussagen des dritten Bürgermeisters von Altdorf bei Nürnberg haben dort mehrere Hundert Menschen für Toleranz und gegen Islamfeindlichkeit demonstriert. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, bekam für einen Vortrag in der voll besetzten evangelischen Stadtkirche bei einer Feier zum Reformationstag am Montag viel Applaus.

Mazyek forderte die etablierten Parteien auf, im Kampf um Wählerstimmen keine "gefährlichen rechtspopulistischen Parolen" zu kopieren. Seinen Appell richtete er "insbesondere an die konservativen (Parteien) und hier in Bayern ganz besonders an die CSU". Das Konzept von Sündenbockdiskussionen und Abwertungen von Minderheiten gehe nicht auf. Stattdessen sollten sich die Parteien mit den Rechten klar auseinandersetzen. "Gestalten statt spalten - das muss unser Credo sein", sagte Mazyek.

Um die Veranstaltung hatte es zuvor hitzige Diskussionen gegeben. Der dritte Bürgermeister der Gemeinde, Johann Pöllot (CSU), hatte den Termin als "Islamschweinerei am Reformationstag" bezeichnet. Später distanzierte er sich von der "verheerenden" Formulierung und entschuldigte sich beim evangelischen Dekan Jörg Breu sowie bei den Muslimen in seiner Gemeinde. Er sei kein Islamfeind und habe "keineswegs den Islam verunglimpfen" wollen. Die SPD in Altdorf forderte dennoch Pöllots Rücktritt. Aiman Mazyek sagte vor der Veranstaltung, er nehme Pöllots Entschuldigung an. "Was bleibt ist, dass diese Hasssprache weiter salonfähig gemacht wurde."

In die Hölle schauen


Erleichtert zeigte sich nach der Veranstaltung Dekan Breu. "Ich bin froh, dass viele Menschen da waren, dass sie ruhig waren und nicht gestört haben." Mit Herrn Pöllot stehe er in Kontakt. "Wir haben uns gegenseitig die schlimmsten Hass-Mails gezeigt, die wir jemals bekommen haben. Wir haben uns sozusagen gegenseitig in die Hölle schauen lassen."
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