Forschung in Augsburg
Akzeptanz für Windräder

Politik BY
Bayern
20.03.2017
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Moderne Windmühlen haben nicht die romantische Anmutung ihrer historischen Ahnen und längst auch nicht deren Akzeptanz. Ein Wissenschaftler der Augsburger Uni erforscht nun, wie die Windkraft besser gefördert werden kann.

Augsburg. Die Windkraft spielt eine wichtige Rolle bei der Energiewende, in Bayern hat sie aber einen schweren Stand. Nach dem bayerischen Energieprogramm soll sich der Anteil der Stromproduktion durch Windräder bis Mitte des kommenden Jahrzehnts fast verdreifachen. Doch gleichzeitig gibt es an vielen Orten auch Widerstände gegen die hohen Masten mit den riesigen Rotoren. Zudem hat die CSU-Staatsregierung mit ihrer umstrittenen 10H-Regel, die den Mindestabstand zu Wohngebäuden definiert, den Bau neuer Windräder erschwert.

An der Augsburger Universität sollen deshalb nun die Bedingungen erforscht werden, unter denen neue Windkraftanlagen gebaut werden können. Humangeograf Stephan Bosch betont, dass ein Projekt meist nicht an den technischen Voraussetzungen oder zu wenig Wind an dem jeweiligen Standort scheiterte. "Es scheitert vor allem am Widerstand der Anwohner." Sein Projekt "Raumverträglicher Ausbau von erneuerbaren Energien in Deutschland" wird von der Deutschen Forschungsgesellschaft gefördert, bis 2019 sollen Ergebnisse vorliegen. Dafür hat Bosch Anlagenbetreiber in der Region Augsburg befragt. Für ihn ist besonders wichtig, ob die Investoren versucht haben, die Bürger an den Projekten teilhaben zu lassen. Denn dies fördere die Akzeptanz. Der Forscher ist davon überzeugt, dass gerade bei heiklen Themen eine ausschließlich naturwissenschaftliche Argumentation wenig hilfreich sei.

Ausgewogene Planung


Denn im Unterschied zu der eher anerkannten Photovoltaik spaltet die Windenergie seit Jahren die Gesellschaft. Der Dachverband "Vernunftkraft" spricht von einer "Zerstörung von Wäldern zwecks Ansiedlung von volkswirtschaftlich sinnlosen Windindustrieanlagen". Viele Projekte landen auch bei den Gerichten. Trotz ihrer stark kritisierten Abstandsregel setzt auch die Staatsregierung auf einen Ausbau der Windkraft. Bis 2025 sollen fünf bis sechs Prozent des in Bayerns erzeugten Stroms daraus stammen, 2014 lag der Anteil gerade einmal bei zwei Prozent. "Die Windkraft steht in Bayern - anders als in anderen Bundesländern - erst am Anfang ihrer Nutzung", meint auch der Bund Naturschutz. Der BN sieht zwar etliche Gebiete ebenfalls als Tabuzonen an, meint aber dennoch, dass es noch Hunderte mögliche Standorte in Bayern gibt. Bosch glaubt, dass die Akzeptanz steigen wird, wenn die Bürger in Zukunft mehr mit der Technologie vertraut seien. "Nach der Umsetzung merken sie dann oft, dass sich die Befürchtungen nicht bestätigt haben." Künftige Generationen könnten dann "erneuerbare Energien als vertraute Elemente heimatlicher Normallandschaft wahrnehmen". Dennoch müsse es eine ökonomisch, ökologisch und sozial ausgewogene Standortplanung geben, betont er.
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