Friedensgipfel zwischen Horst Seehofer und Markus Söder
Brüchiger Burgfrieden

So einträchtig wie beim traditionellen "Politiker-Derblecken" auf dem Münchener Nockherberg sieht man Bayerns Finanzminister Markus Söder (rechts) und Ministerpräsident Horst Seehofer selten. Nun soll Frieden zwischen den beiden CSU-Politikern herrschen. Archivbild: Tobias Hase/dpa
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Bayern
21.11.2016
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Der Dauer-Zwist zwischen Horst Seehofer und Markus Söder sorgt in der CSU für großen Ärger. Die Partei will vor allem eines: Ruhe. Aber wie lange hält der neuerliche Frieden?

München. Diesmal aber wirklich. Diesmal soll der Burgfrieden zwischen Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und seinem Finanzminister Markus Söder (beide CSU) wirklich halten. Das ist das Signal, das Seehofer und Söder am Sonntagabend in der CSU-Zentrale aussenden - vor und auch nach einem Gespräch, dass intern vorab wahlweise als "Friedens-Gipfel" oder als "Krisentreffen" tituliert wurde. Mit dabei sind auch Parteivize Barbara Stamm, CSU-Landtagsfraktionschef Thomas Kreuzer und Bundestags-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt.

Ziehen an einem Strang


Die Eintracht werde wiederhergestellt, verspricht Seehofer schon vor Beginn - und erklärt: "Das sind Bereiche der Politik, die zum intimsten Besteck eines Parteivorsitzenden gehören: Wie hält er eine Partei zusammen, wie motiviert er alle Führungskräfte?" Und er fügt optimistisch hinzu: "Da ich da ziemlich überzeugt bin, dass das ein gemeinsames Interesse ist, wird es uns auch gelingen." Auch Söder sagt: "Eine geschlossene CSU ist immer viel stärker als eine nicht geschlossene." Oder: "Immer dann, wenn es besonders herausfordernd war, haben der Ministerpräsident, der Parteivorsitzende und ich zu sehr, sehr guten Entscheidungen gefunden." Und: Seehofer habe "natürlich" seine Loyalität.

Parteifreunde skeptisch


Viele in der Partei haben ihre Zweifel, dass der Dauer-Zwist zwischen Seehofer und Söder wenigstens eingedämmt werden kann - auch weil Seehofer es nicht lassen kann. Erst am Samstag veröffentlichte der "Münchner Merkur" ein Interview mit dem Parteichef. Da nannte es Seehofer zwar ein "Märchen", dass er Söders Aufstieg an die Spitze verhindern wolle, und versicherte: "Die Personalfragen werden wir in Eintracht lösen, nicht in Zwietracht."

Auf den Vorhalt, dass Söder in den Umfragen eben die höchsten Werte erziele, sagte Seehofer nun: "Umfragen sind heutzutage nur bedingt hilfreich." Und fügte hinzu: "Die höchsten Umfragewerte in Amerika hatte übrigens Hillary Clinton." Nein, "böse" sei diese Antwort aber nicht, beteuerte er. "Das beschreibt schlicht die Tatsache, dass Politiker, Medien und Umfragen immer häufiger irren, wenn es um Stimmungsbilder geht."

So verlaufen die Frontlinien: Das Söder-Lager wirft Seehofer eine "Verhinderungsstrategie" vor, weil er versuche, Söder nach Berlin zu schicken. Söder will nächster Ministerpräsident werden. Allein: Irgendwie - das ist die Erwartung der Partei - müssen die beiden miteinander auskommen. In nicht einmal einem Jahr ist die Bundestagswahl, ein Jahr später die Landtagswahl. Da kann die CSU sich einen personellen Dauer-Krach nicht leisten. Eigentlich.

Auch Kirchen und CSU legen Streit beiNach Meinungsverschiedenheiten zur Zuwanderung scheint der Zwist zwischen Kirchen und der CSU beendet zu sein. "Für alle, die sich christlich nennen ... gelte, dass sie sich täglich bemühen müssen, dem zu entsprechen, was sie auf ihr Etikett geschrieben haben", sagte der Erzbischof Ludwig Schick in Bamberg. Es sei "sehr erfreulich und anzuerkennen", dass die CSU im neuen Grundsatzprogramm auf der Basis "christlich-jüdisch-abendländischer Werte" Politik gestalten wolle. Auch andere Geistliche wie der Regensburger Generalvikar Michael Fuchs erklärten, die Sache sei damit erledigt. Vor einigen Wochen hatten hochrangigen Kirchenvertreter die Zuwanderungspolitik der CSU und besonders Generalsekretär Andreas Scheuer heftig kritisiert. (dpa)
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