Früherer Kultusminister Hans Maier wird 85 Jahre alt
In vielen Welten zu Hause

Hans Maier. Bild: dpa
Politik BY
Bayern
18.06.2016
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Von Christoph Trost, dpa

München. Den Widerspruch hat Hans Maier nie gescheut - und er tut es bis heute nicht. Auch kurz vor seinem 85. Geburtstag wählt der langjährige bayerische Kultusminister und Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken deutliche Worte - auch wenn es diesmal gegen seine eigene Partei geht, gegen die CSU und deren Vorsitzenden Horst Seehofer. "Ich hoffe, er stellt die Attacken auf die Bundeskanzlerin ein", sagt Maier über den Ministerpräsidenten. "So kann man mit einer verdienten Politikerin nicht umgehen."

An diesem Samstag feiert Maier seinen 85. Geburtstag. Und noch immer ist er ein genauer Beobachter nicht nur des politischen Geschehens. Er bedauert eine "Entfremdung" zwischen den Unionsparteien und der Kirche wegen der Flüchtlingspolitik - und das, obwohl doch die Menschen in Bayern die Flüchtlinge so großartig empfangen hätten. "Wie man eine so positive Stimmung kaputt gemacht hat, das ist nicht der politischen Weisheit letzter Schluss gewesen", klagt Maier - der im Übrigen betont, dass er in seiner Karriere nie "Widerspruch um des Widerspruchs willen" erhoben habe. Sondern immer aus gutem Grund.

Von 1970 an war Maier zuerst acht Jahre lang unter Alfons Goppel bayerischer Kultusminister, dann weitere acht Jahre unter Franz Josef Strauß. In seiner Amtszeit reformierte er eine ganze Reihe wichtiger Gesetze. Doch als Ministerpräsident Strauß das Ministerium 1986 in Wissenschaft und Unterricht aufteilte, trat Maier zurück. "Ich bin sehr froh, dass ich mich dann wieder mehr der Wissenschaft zuwenden konnte", sagt er heute rückblickend. Und: "Alles hat seine Zeit."

Vor seiner politischen Karriere hatte Maier Geschichte, Romanistik, Germanistik und Philosophie in Freiburg und München studiert. Er promovierte zum Thema "Revolution und Kirche", im Jahr 1962 wurde er Politik-Professor an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität. Nach seiner Ministerzeit kehrte er auch dorthin zurück, als Professor für christliche Weltanschauung, Religions- und Kulturtheorie. Von 1976 bis 1988 war Maier überdies Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Den Konflikt mit der Kirche scheute er auch später nicht: Maier setzte sich sehr für die Konfliktberatung schwangerer Frauen durch den Verein "Donum Vitae" ein - und musste erleben, wie er deshalb von zwei Bischöfen (Zdarsa und Müller) "verbannt" wurde. "Manchmal muss man auch in der Kirche dagegen halten", sagt er - und: "Ich hoffe, dass sie das heute bereuen."

Die Liste von Maiers Ämtern, Auszeichnungen und Ehrungen ist lang - getoppt wird diese allenfalls von der seiner Veröffentlichungen, seiner Bücher und Aufsätze. Und damit ist auch mit 85 keineswegs Schluss. Im kommenden Jahr soll wieder ein neues Werk erscheinen.

Und wenn Maier dann noch Zeit hat, dann spielt er in seiner Heimatgemeinde in München Orgel - er ist ausgebildeter Organist. "Das ist vielleicht die stärkste Kontinuität in meinem Leben", sagt er.
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