Gastspiel im Land der Scharfrichter

Fußballer müssen ja keine Politiker sein, aber sie sollen sich der Menschenrechtslage bewusst sein und durchaus mal ein Zeichen setzen.
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Bayern
21.01.2015
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Öffentliche Enthauptungen und Auspeitschen sind in Saudi-Arabien bitterer Alltag. So wurde fünf Tage bevor Bayern München in Riad gegen Al Hilal spielte in Mekka eine Frau hingerichtet. Nun kritisieren Politiker das von Volkswagen gesponserte Gastspiel des deutschen Rekordmeisters.

(dpa/KNA/paa) Der FC Bayern München ist für ein Testspiel-in Saudi-Arabien von deutschen Politikern kritisiert worden. "Fußballer müssen ja keine Politiker sein, aber sie sollen sich der Menschenrechtslage bewusst sein und durchaus mal ein Zeichen setzen", sagte Dagmar Freitag (SPD), Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, der "Süddeutschen Zeitung". Der deutsche Rekordmeister hatte am Samstag auf seiner Rückreise aus dem Trainingslager in Katar in Riad ein Testspiel gegen Al-Hilal absolviert. Bayern gewann erwartungsgemäß mit 4:1.

Frau geköpft

Das saudische Königreich verstößt seit Jahrzehnten gegen die Menschenrechte. So war fünf Tage bevor die Bayern ihr Freundschaftsspiel absolvierten, in Mekka eine Frau aus Birma öffentlich mit dem Säbel geköpft worden. Seit Wochen gibt es zudem internationale Proteste wegen der Strafe für den saudischen Blogger Raif Badawi. Der 30-Jährige war wegen Beleidigung des Islams zu zehn Jahren Haft und 1000 Schlägen verurteilt worden. Die ersten 50 Schläge hatte er sieben Tag vor dem Gastspiel der Bayern erhalten. Am Tag vor der Bayern-Partie war die Bestrafung von Badawi überraschend ausgesetzt worden - aus medizinischen Gründen. An diesem Freitag drohen dem saudischen Blogger erneut 50 Peitschenhiebe. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International will deshalb am Donnerstag erneut vor der saudischen Botschaft in Berlin protestieren.

Die Reise des FC Bayern, die am Sonntag in München endete, wurde nach Angaben eines Sprechers von einem Sponsor (Volkswagen) finanziert. Geld von den Gastgebern in Saudi-Arabien habe der Verein nicht erhalten, betonte der Club in der "SZ". Am Dienstag wollte sich der Club nicht weitergehend äußern. Auch von Volkswagen war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Strässer, hatte im Gespräch mit der "SZ" gemahnt, bei Sportveranstaltungen nicht die Augen vor der Menschenrechtslage in Saudi-Arabien zu verschließen. "Wer in solche Länder fährt, muss wissen, was dort passiert", sagte er. "Ich fände es sinnvoll, dass man sich in öffentlichen Erklärungen auch zur Menschenrechtslage äußert." Die Bestrafung von Badawi stelle nochmal eine Ausnahmesituation dar. "Unter diesen Umständen würde ich ein solches Spiel absagen", sagte der SPD-Politiker.

Meyer verständnisvoll

Der CSU-Abgeordnete Stephan Mayer - ebenfalls Mitglied im Sportausschuss - hält die Kritik für überzogen. "Man sollte Sport und Sportpolitik nicht zu stark mit Menschenrechtspolitik in Verbindung bringen, insbesondere wenn es einzelne Fußballvereine betrifft", sagte der Bundestagsabgeordnete aus Altöting. "Es geht hier um die Reise eines Vereins und nicht um ein offizielles Turnier oder einen Wettbewerb, der von einer Organisation wie der Fifa oder der Uefa ausgetragen wird."

Er habe kein Verständnis für die viel "zu harte und unmenschliche Bestrafung" des Bloggers, fügte Mayer hinzu. Auf solche Ereignisse könne ein Verein aber nicht kurzfristig reagieren und ein Spiel absagen. "Derartige Freundschaftsspiele wie das in Saudi-Arabien oder das Trainingslager in Katar sind über Monate hinweg geplant und vereinbart worden."

Trainer Pep Guardiola hatte in Doha keine Stellung zum Thema Menschenrechte bezogen. Man sei nur einen Tag in Saudi-Arabien und habe wenig Zeit, etwas zu sehen, sagte der Spanier. Man wolle für die Leute dort spielen und diese sollten überragende Spieler sehen können. Saudi-Arabien sei kulturell ein anderes Land.

Verstimmung beim Dinner

Nach dem 4:1 im Test am Samstag in Riad soll es laut "Bild-Zeitung" auch Unmut beim Gastgeber gegeben haben. Die arabische Mannschaft soll nach dem Spiel nicht in den Saal gekommen sein, in dem die Münchner ihr Dinner abhielten. Dabei soll es sich nach Bayern-Angaben um ein Missverständnis gehandelt haben, man habe auf den Gegner gewartet. Als Gast-Club habe man nicht über die Zugangsberechtigungen bestimmen können, hieß es.
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