Gebäude im Winkel ein Sanierungsfall
Parkhaus schließt im Sommer

Schon seit Jahren vermittelt das Parkhaus im Winkel nicht mehr den frischesten Eindruck. Zum 31. Juli hat die Parkhaus GmbH jetzt allen Mietern gekündigt. Ab 1. August darf niemand mehr hineinfahren. Bild: fph
Politik BY
Bayern
28.04.2016
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Das Gebäude ist so marode, dass es für etliche Millionen Euro saniert werden muss. Die Alternative - ein Abriss und Neubau - wird in der nächsten Zeit geprüft.

Marktredwitz. Das Parkhaus im Winkel ist derart marode, dass es 37 Jahre nach dem Bau ein dringender Sanierungsfall ist. Für Oberbürgermeister Oliver Weigel und den Geschäftsführer der Parkhaus GmbH, Markus Brand, kommt dieser Paukenschlag unverhofft.

"Mindestens fünf Millionen, eher aber sieben Millionen Euro wird eine Sanierung kosten", sagt Weigel. Den Dauernutzern des Winkel-Parkhauses waren bereits völlig unerwartet die Kündigungen ins Haus geflattert. Dass es mit einer Schönheitsreparatur allein nicht getan ist, war klar. Auch dem Oberbürgermeister. Daher hatten die Stadt und die zur Stadt gehörende Parkhaus GmbH ein Gutachten in Auftrag gegeben, um auf der sicheren Seite zu sein.

Ergebnis erschreckend


"Infrastruktur ist schön aber auch teuer", so das Fazit des Oberbürgermeisters nach Vorlage des Gutachtens, das das Marktredwitzer Planungsbüro Fischer ausgearbeitet hatte. Das Ergebnis bezeichnet Weigel als "erschreckend", die Beschädigungen seien schwerer als gedacht.

Maria Magdalena Stöckert vom Bauamt listet Probleme beim Brandschutz über die Fluchtwege bis hin zu Materialien und Entlüftung auf. Auch die Statik sei angegriffen. "Das Planungsbüro hat uns eine Restlaufzeit von einem Jahr eingeräumt, aber vorsichtshalber schließen wir bereits zum 1. August", so Stöckert. Die oberen Stockwerke seien bereits abgeriegelt, "denn oben gibt es Holzverkleidungen, die nach heutigen Vorschriften nicht mehr zulässig sind".

Die Stadt müsse nun genau abwägen, was zu tun ist, verdeutlicht Oliver Weigel, "denn auch ein Abriss ist für uns kein Schnäppchen". Fünf bis sieben Millionen Euro stehen für ihn allerdings in keinem Verhältnis zur Sanierung. "Es ist eigentlich irre, wenn man sich überlegt, man baut sich ein Privathaus, das man nach 37 Jahren abreißen müsste." Jetzt handle die Stadt erst einmal die Fördermittel mit der Regierung aus, um zu ermitteln, wie hoch der Eigenanteil der Stadt sein wird. "Es ist durchaus möglich, dass ein Abriss günstiger kommt als eine Sanierung", schickt Weigel voraus. Die baldige Schließung begründet er unter anderem mit der haftungsrechtlichen Frage, wenn wirklich etwas passieren sollte. "Eine Einsturzgefahr besteht aber nicht." Laut Parkhaus-Geschäftsführer Markus Brand wurde das Gutachten im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben, "und seit Januar liegt die Empfehlung vor, es könne noch ein Jahr geöffnet bleiben. Nach einer Diskussion im Aufsichtsrat haben wir uns für die Schließung im Sommer entschlossen."

Gemeinsame Lösung


Bislang sei nur der städtische Teil des Parkhauses - "die untere Etage gehört der Traut-Hausverwaltung in München" - untersucht worden. Allerdings müsse man zusammen mit dem privaten Anbieter letztlich zu einer Lösung kommen, meint Oberbürgermeister Weigel.

Sanierung oder Abriss


Ob Sanierung oder Abriss - in beiden Fällen sei lediglich das Parkhaus betroffen - der Block also, der vom Winkel bis zur Leopoldstraße reicht. Dort, wo Büros und Geschäfte über den unterirdisch angelegten Parkplätzen gebaut wurden, bleibe alles beim Alten. Arbeitsplätze seien keine betroffen. "Den Hausmeister können wir sehr gut anderswo einsetzen", versichert Oliver Weigel und hofft, im Sommer mehr Fakten auf den Tisch legen zu können. (Info-Kasten)

Keine Alternative für DauerparkerVon den rund 270 Stellplätzen sind 70 dauerhaft vermietet - an Beschäftigte, die im Stadtzentrum arbeiten oder an Leute, die dort leben und einen Parkplatz gemietet, weil sonst in der Innenstadt kaum kostenfreie Parkplätze gibt. Natürlich gibt es das kostenlose KEC-Parkhaus, doch für manche Beschäftigte, die mehrmals am Tag vom Büro zum Auto müssen, um etwas zu erledigen, ist dies häufig zu weit. Auf die Frage nach einer Alternative muss Oberbürgermeister Oliver Weigel achselzuckend zugeben, "... dass es keine gibt". Der Zustand werde "mindestens zwei, eher drei Jahre so anhalten", erklärt er. Momentan gebe es im Winkel-Parkhaus noch private Stellplätze. "Doch wenn wir abreißen, geht auch da nichts mehr." Die Außen-Parkplätze bei der Stewog seien alle vermietet. "Technische Wohngebäude haben eine Lebensdauer von 60 Jahren, Wohngebäude von etwa 80 Jahren", sagt Gutachter Hans-F. Hacker. Parkhäuser seien Zweckbauten, die man schnell hochgezogen habe. "Durch das viele Salz, das die Fahrzeuge im Winter hier mit reinbringen, geht der Verschleiß noch schneller." Es sei nicht baufällig, so Maria Magdalena Stöckert vom Bauamt. "Aber die Stützen sind angegriffen". Eine akute Gefahr besteht nach Mitteilung von Hans-F. Hacker vom Planungsbüro Fischer derzeit nicht. "Der Betonbau hat sich verändert." Als das Parkhaus Ende der 70er-Jahre gebaut wurde, seien die Maßstäbe seien schlichtweg anders gewesen. "Früher waren eineinhalb Zentimeter Betonschicht über den Stahlträgern ausreichend, heute nimmt man fünf." Hacker begründet das mit den Umwelteinflüssen durch sauren Regen, der den Beton zersetze und den Stahl nicht mehr schützt. Momentan seien etliche um diese Zeit gebauten Parkhäuser Sanierungsfälle. (fph)
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