Gedenkfeier für die Opfer des Amoklaufs von München
„Allah beschütze diese Stadt“

Mit einer ökumenischen Trauerfeier haben Angehörige sowie Vertreter des Staates und zahlreiche Bürger der Opfer des Amoklaufs von München gedacht. An dem Gottesdienst im Liebfrauendom nahmen auch (von links) Bundespräsident Joachim Gauck, seine Lebensgefährtin Daniela Schadt, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesratspräsident Stanislaw Tillich (CDU) teil. Bild: dpa
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Bayern
01.08.2016
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Jugendliche entzünden Kerzen und legen Blumen dazu.

Mehr als eine Woche liegt der Amoklauf von München zurück, der Schock weicht langsam, doch die Trauer ist noch immer da. Sie kennt keine Grenzen der Nationen oder Religionen, wird beim ökumenischen Gottesdienst klar. Ein Appell an Allah bewegt die Gemüter.

München. Mit bewegenden Appellen für Frieden und religiöse Toleranz haben bei einer ökumenischen Trauerfeier Angehörige, Vertreter aller Kirchen und Bürger der Opfer des Amoklaufs von München gedacht. Der Münchener Kardinal und Erzbischof Reinhard Marx und der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm leiteten am Sonntagnachmittag gemeinsam die Feier im Münchner Liebfrauendom.

Da sieben der Getöteten Muslime waren, sprach auch eine Vertreterin des islamischen Glaubens ein Gebet. "Allah, wir bitten Dich um Hilfe für uns, unsere Menschlichkeit nicht zu verlieren", sagte Dhari Hajer vom Muslimrat München. Alle Menschen seien Kinder Adams, betonte sie, unabhängig von Nationalität, Religion oder Hautfarbe. Sie erinnerte an den Koran, in dem es sinngemäß heiße: "Wer einen Menschen tötet, so ist es, als ob er alle Menschen tötet." An Allah richtete sie den bewegenden Appell: "Beschütze diese schöne Stadt und ihre Bewohner, beschütze Deutschland." Unter den Gästen waren Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sowie andere Spitzenvertreter des Staates, der Stadt München und der Kirchen.

"Diese Toten leben"


Kardinal Marx wandte sich direkt an die Angehörigen der Opfer, sprach ihnen Anteilnahme aus und versuchte Trost zu spenden mit den Worten: "Diese Toten sind nicht ins Nichts zurückgestoßen. Sie leben." Versöhnung sei das Gebot der Stunde. Nicht das Trennende, sondern das Verbindende müsse ins Blickfeld rücken - unabhängig von Religion und Herkunft, so Marx weiter.

Landesbischof Bedford-Strohm sprach angesichts der Amoktat mit zehn Toten von der Notwendigkeit eines neuen Gottvertrauens: "Ein Vertrauen, das uns von der Lähmung in eine Freiheit führt." Er erinnerte an Zeichen der Hoffnung, die auch die Reaktion auf die schreckliche Tat gezeigt habe. Mit ihrer Hilfsbereitschaft unmittelbar nach dem Amoklauf hätten die Menschen gezeigt, dass man der Gewalt nicht hilflos ausgeliefert sei.

Bei dem anschließenden Trauerakt im bayerischen Landtag sagte Gauck, man werde sich nicht vom Hass der Amokläufer und Terroristen anstecken lassen, man werde eine mitmenschliche und solidarische Gesellschaft bleiben. Es brauche eine "Allianz von Staatsorganen und der wachen, aktiven Bürgergesellschaft", um sich gegen das "zynische Kalkül" der Gewalttäter zu wappnen, so Gauck weiter. Aber: "Einen absoluten Schutz gegen Täter, vor allem Einzeltäter, gibt es nicht", betonte er. Das dürften und könnten die Bürger von ihren Politikern weder fordern noch erwarten. Seehofer sagte: "Hinter uns liegen die schwärzesten Tage für Bayern seit langem." Die Attentate hätten das Land "ins Mark getroffen". Was ihn aber hoffnungsfroh stimme, sei, dass Mitmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft über den Terror gesiegt hätten. Abgeschirmt von der Öffentlichkeit treffen sich Gauck, Seehofer, Merkel und Landtagspräsidentin Barbara Stamm noch zum Gespräch mit den Angehörigen der Amok-Opfer. "Wir, die höchsten Repräsentanten des Staates, wollen Ihnen nah sein", bekundete Gauck.

Ein 18 Jahre alter Amokschütze hatte am 22. Juli beim Münchener Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen erschossen, darunter vor allem Jugendliche. Anschließend tötete er sich selbst.
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