Geforderte Bahn-Elektrifizierung
Durchs Naabtal zum Brenner

Ein Güterzug über dem Eingang zum Zugangsstollen zum Brenner Basistunnel bei Steinach (Österreich). Die Deutsche Bahn stellt Überlegungen an, die Zubringerstrecke von Norddeutschland über Weiden und Regensburg kommend über Mühldorf nach Rosenheim zu legen. Archivbild: dpa
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Bayern
05.02.2016
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An der Naab entlang und dann direkt zum Brenner? Eine Utopie? Nicht ganz. Bei der Bahn gibt es zumindest entsprechende Gedankenspiele. Die Naabtal-Strecke würde zu einer internationalen Haupt-Magistrale.

Weiden. An konkreten Plänen fehlt es, dennoch sind die Überlegungen, die die Deutsche Bahn anstellt nicht gänzlich unrealistisch. Oberbayerische Zeitungen berichten über Planungen, eine Güterzug-Trasse von Landshut über Mühldorf nach Rosenheim zu suchen - mit einem direkten Anschluss nach Norden über Regensburg, Weiden und Hof Richtung Magdeburg. Und nach Süden direkt zum Brenner-Basistunnel. Dieser soll ab etwa 2030 von Innsbruck aus direkt ins Südtiroler Franzensfeste führen und Fahrzeiten für Personenzüge im Bereich des Brenners mehr als halbieren. Die Arbeiten für die 55 Kilometer lange Röhre begannen im März vergangenen Jahres.

Überlastetes München


Während die Zubringerstrecke im Norden auf den Verlauf des Inntals zwischen Rosenheim und Innsbruck fixiert ist, ergeben sich nach Angaben des zuständigen Bahnsprechers für Großprojekte nördlich von Rosenheim verschiedene Varianten. Die Hauptfrage dabei für ihn: "Muss ein Zug, der nicht nach München oder Würzburg will, in einen Bahnknoten der überlastet ist?"

Mit dem Bahnknoten ist München gemeint, derzeit die Drehscheibe des Bahnverkehrs in Südbayern. Vor allem zwischen München und Rosenheim geht's eng zu - dort laufen die Güter- und Fernverkehrszüge Richtung Brenner und Salzburg gebündelt, plus Regionalzüge und S-Bahnen. "Das ist nicht unbedingt die Top-Lösung", erklärte der Bahn-Sprecher. Deshalb untersuche man als Teil einer Korridorstudie unter anderem auch die eingleisige Nebenstrecke Rosenheim-Mühldorf und den weiteren Verlauf Richtung Landshut. Derzeit sind dort in erster Linie Regionalzüge unterwegs. Dieser Bereich müsste ausgebaut und elektrifiziert werden - genauso wie es für den Abschnitt Regensburg-Hof erforderlich wäre.

Diese Route wäre Teil eines dritten Nord-Süd-Korridors Hannover-Magdeburg-Hof-Regensburg-Brenner, der nach Auffassung der Bahn dringend erforderlich ist. Denn die bestehenden zwei Korridore Rotterdam-Rhein-Basel-Gotthard-Tunnel sowie Würzburg-München-Brenner seien überlastet. Allerdings fehlt selbst für nötige Vorplanungen noch die rechtliche Grundlage, unterstreicht der Bahnsprecher. Hof-Regensburg sei nicht Teil des geltenden Bundesverkehrswegeplans, wenn auch für den neuen angemeldet. Und auch für die Elektrifizierung der Strecke Schwandorf-Furth im Wald gibt es noch keinen Planungsauftrag. Im April 2015 hatte Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann angekündigt, Bayern wolle mit Landesmitteln und einem zu beantragen EU-Zuschuss diese Vorplanungen vorfinanzieren. Bevor die DB Netz mit Entwürfen beginnen kann, benötigt sie aber noch eine verkehrliche Aufgabenstellung. Sie muss also wissen, wie viele Züge und wie schnell diese fahren sollen.

Mit Prognosen zur Auslastung der Strecken nach einem Ausbau hielt sich der Bahn-Sprecher zurück. Gutachter des Bundes sagten jedoch auch eine Verkehrszunahme ohne Elektrifizierung aus, konkrete Zahlen zu Güterzügen seien jedoch mit Vorsicht zu genießen. Die Voraussagen für den Verkehr im Inntal etwa seien vor zehn Jahren deutlich über den Zugzahlen gelegen, die nun tatsächlich erreicht werden. Auf den Brenner-Zulaufstrecken würden sich die Zahlen nach Fertigstellung des Basistunnels sogar kurzfristig reduzieren. Der Grund: Bisher waren die Zuglängen und Lasten wegen der Steigungen begrenzt. Wegen der wesentlich flacher verlaufenden Tunnelstrecken sind höhere Zuglasten möglich, weshalb Lokomotiven mehr Waggons ziehen können. Es müssen also insgesamt weniger Züge fahren.

Nicht überdimensionieren


Zahlen seien auch ausschlaggebend für die Dimensionierung der künftigen Strecke. Bei wesentlichem Eingriff in den Bestand bestehe ein Anspruch auf Lärmschutz. Ob dieser vorliegt, entscheide das Eisenbahn-Bundesamt als Aufsichtsbehörde. Die Bahn rechnet grundsätzlich damit, dass wieder mehr Güterzüge auf europäischen Schienen unterwegs sind. Sowohl die Europäische Union als auch Österreich als Transitland favorisieren dies. Was aber nicht passieren wird: Eine Überdimensionierung der geplanten Ausbauprojekte. "Infrastruktur auf Vorrat finanziert der Bund nicht", sagte der Bahnsprecher. (Angemerkt)
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