Geschäfte mit Kinderwunsch

Blick in ein Labor in Dresden, in dem ein Biologe zu Demonstrationszwecken Eizellen unter einem Mikroskop betrachtet. Ein Bayreuther Arzt soll mit solchen Eizellen illegalen Handel betrieben und hunderte Frauen betrogen haben, die wegen eines unerfüllten Kinderwunsches in seine Klinik kamen. Symbolbild: dpa
Politik BY
Bayern
16.10.2015
26
0

Von "Habsucht" war die Rede, als am Donnerstag die Plädoyers im Hofer "Eizellen-Prozess" gehalten wurden. Ein Bayreuther Arzt soll lange ins Gefängnis und nie wieder in seinem Beruf arbeiten dürfen.

(nt/az) Wie die "Frankenpost" ("FP") berichtet, hat die Staatsanwaltschaft im Verfahren gegen einen Bayreuther Gynäkologen und Fortpflanzungsmediziner eine Gesamtfreiheitsstrafe von acht Jahren und sechs Monaten beantragt. Außerdem soll dieser nie wieder als Reproduktionsmediziner arbeiten dürfen.

Staatsanwalt Stefan Weidinger bezeichnete die Verstöße gegen das Embryonenschutzgesetz und das Transplantationsgesetz als "sittlich auf niedrigster Stufe". Der Gynäkologe habe aus Habsucht und Gewinnstreben Eizellen an andere Patientinnen verkauft, ohne dass die unfreiwilligen Spenderinnen dies ahnten.

Hunderte Frauen betroffen

Hunderte von Frauen, auch Betroffene aus der Oberpfalz, müssten mit der Unsicherheit leben, ob der Arzt durch sein Handeln ihre Kinder auf die Welt gebracht habe. Damit habe der Arzt einen ganzen Berufsstand in Misskredit gebracht. Bei der Hinterziehung von Steuern in Höhe von 1,1 Millionen Euro und Abrechnungsbetrug von fast 300 000 Euro habe er alle Mitarbeiter zu Handlangern seines kriminellen Verhaltens gemacht.

Sein Verteidiger hielt laut "FP" hingegen eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten für ausreichend. Er verwies auf das Geständnis seines Mandanten und darauf, dass der Mediziner den Steuerschaden komplett erstattet habe.

Wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung wurde er am 8. Januar 2015 in Untersuchungshaft genommen. Ende September hatte vor dem Landgericht Hof der Prozess gegen ihn begonnen. Der Arzt hatte alle Vorwürfe gleich am ersten Verhandlungstag eingeräumt. Er ließ seinen Verteidiger eine ausführliche Erklärung verlesen, in der er "die volle Verantwortung" für sein Fehlverhalten übernahm. Die Klinik mit ehemals 15 Angestellten sei geschlossen und werde verkauft. Die staatliche Zulassung als Arzt ist er seit zwei Wochen los. Ihm sei bewusst, dass es in seinem Leben "nie wieder wie früher" sein könne, versicherte der Angeklagte laut "FP".

Eizellen auf Vorrat

Angesichts der massiven Vorwürfe der Anklageschrift ist dies auch nur schwer vorstellbar. Die Staatsanwälte verlasen den Fall einer Patientin, der Gynäkologe. Eizellen einer anderen Frau eingesetzt haben soll. Dafür verlangte der Arzt von der Frau 2500 Euro, die er angeblich an die "Spenderin" weiterleiten wollte. Dies ist in Deutschland nicht statthaft.

Ebenso verboten ist es, Eizellen über den Bedarf der jeweiligen Patientin hinaus zu entnehmen. Bei der Durchsuchung der Bayreuther Praxis wurden aber in einer mit einem goldenen Aufkleber markierten Kassette weitere tiefgekühlte Eizellen gefunden, die von neun anderen Patientinnen stammten. Was mit ihnen geschehen sollte, blieb unklar, weil die Öffentlichkeit beim Geständnis zu diesen Vorwürfen ausgeschlossen worden war.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.