Gymnasium: Opposition fordert von Staatsregierung ein Ende des „Durchwurstelns“
„Spaenle hat nicht mal ein Plänle“

Politik BY
Bayern
21.07.2016
70
0

München. Die Opposition im Landtag hat den Druck auf die Staatsregierung erhöht, schon bald ein Konzept für ein flächendeckendes neunjähriges Gymnasium (G9) in Bayern vorzulegen. Eine Woche vor der Kabinettsklausur in Sankt Quirin hatten SPD, Grüne und Freie Wähler Dringlichkeitsanträge eingebracht. Nachdem das G8 gescheitert sei, müsse die "Hängepartie" zur Zukunft des Gymnasiums nun beendet werden, erklärte der Chef des Bildungsausschusses, Martin Güll (SPD). "Zwölf Jahre Versuch und Irrtum sind genug." Die CSU lehnte alle Anträge ab.

Güll sprach von einer eindeutigen Sachlage. Der hohe Zuspruch zur "Mittelstufe plus" mit einem um ein Jahr längeren Bildungsweg an 47 Pilotschulen habe gezeigt, dass Eltern und Schüler den neunjährigen Weg bevorzugten. Weil dieses Modell aber organisatorisch nur schwer umsetzbar sei und zudem keine Entlastung in der Unter- und Oberstufe bringe, könne die Lösung nur in einer Rückkehr zum G9 liegen.

"Wir reden dabei nicht dem alten G9 das Wort, sondern wollen ein modernes, pädagogisch weiterentwickeltes Gymnasium", erklärte Güll. Besonders leistungsstarke Schüler sollen das Abitur schon nach acht Jahren ablegen können. Güll sah vor allem Vorteile für den ländlichen Raum mit oft langen Schulwegen, weil es in den meisten Jahrgangsstufen keinen Nachmittagsunterricht nötig mache. Der Grüne Bildungspolitiker Thomas Gehring forderte ein "Ende des Durchwurstelns". Man brauche eine klare Entscheidung. Diese könne nur in Richtung eines "neuen G9" gehen. Enttäuscht zeigte sich Gehring von der Sprachlosigkeit von Kultusminister Ludwig Spaenle in dieser Frage. "Spaenle hat nicht mal ein Plänle", sagte er. Das G9 müsse mehr Zeit zur Übung, Vertiefung und Reflexion geben, mehr Berufs- und Studienorientierung bieten sowie den Beginn der 2. Fremdsprache wieder in die 7. Klasse verlegen. Die Freien Wähler hielten an ihrer Forderung für eine generelle Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 fest.

Otto Lederer (CSU) wies die Forderungen zurück. "Das G8 ist nicht gescheitert, seine Qualität ist vielmehr anerkannt", erklärte er. Beweis dafür sei die kontinuierlich gestiegene Übertrittsquote ans Gymnasium. Für eine Weiterentwicklung des Gymnasiums müssten nun die Ergebnisse des Modellversuchs mit der "Mittelstufe plus" abgewartet werden.
Weitere Beiträge zu den Themen: Gymnasium (75)Mittelstufe (3)G9 (9)G8 (8)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.