Hinweise auf rechtsradikale Gesinnung
Münchener Amokläufer offenbar ein Hitler-Fan

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Bayern
27.07.2016
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David S., der Amokläufer von München, war süchtig nach dem Spiel Counterstrike. Er soll sich aber auch als "Arier" gefühlt haben und stolz auf sein Geburtsdatum gewesen sein - den 20. April, an dem auch Adolf Hitler geboren wurde.

München. Der Münchner Amokläufer hatte laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" eine rechtsextremistische Weltsicht. Türken und Araber habe der Deutsch-Iraner gehasst und ihnen gegenüber ein "Höherwertigkeitsgefühl" gehegt, zitiert das Blatt Sicherheitskreise. Das Bayerische Landeskriminalamt wollte dies nicht bestätigen, das Innenministerium äußerte sich am Mittwoch zunächst nicht.

"Wir haben hier eine größere Datenmenge zu bewältigen und können uns daher noch keine Aussage dazu erlauben, was höchstwahrscheinlich ein Motiv gewesen sein könnte", hieß es bei der Staatsanwaltschaft München I. Die Behörde sprach von einer Datenmenge im Terabyte-Bereich. Sie geht davon aus, dass sich die Ermittlungen noch mehrere Monate hinziehen können.

Der 18-Jährige hatte am vergangenen Freitag neun Menschen erschossen und sich selbst getötet. Die meist muslimischen Opfer haben Migrationshintergrund mit Wurzeln etwa in der Türkei oder dem Kosovo. Einen politischen Hintergrund hatten die Ermittler bislang ausgeschlossen und auf psychische Probleme des Schülers verwiesen.

Was bislang über den 18-jährigen Deutsch-Iraner bekannt ist, lässt aber rechtes Gedankengut nicht unwahrscheinlich erscheinen. Der Schüler war von dem rechtsextremen Attentäter Anders Behring Breivik aus Norwegen fasziniert. Sein Amoklauf in München ereignete sich genau fünf Jahre nach dem Blutbad vom 22. Juli 2011, bei dem Breivik in Oslo und auf der Insel Utøya 77 Menschen umgebracht hatte. Laut "Faz" war der Täter auch stolz auf sein Geburtsdatum - den 20. April, an dem auch Adolf Hitler geboren wurde.

Wie die Zeitung berichtet, stammen Aussagen über die Begeisterung des Amokläufers für Hitler Sicherheitskreisen zufolge aus dem engsten Umfeld des Täters. Auch sei der deutsch-iranische Täter stolz darauf gewesen, als Iraner und als Deutscher "Arier" zu sein. Der Iran gilt als Heimat der Arier, eines zentralasiatischen Volkes mit indogermanischer Sprache. Die Nationalsozialisten machten aus dem Begriff "Arier" eine Bezeichnung für eine aus ihrer Sicht "überlegene Rasse".

Laut "Spiegel Online" gab er sich bei seinen Ego-Shooter-Spielen Namen wie "Hass" oder "Amoklauf" und schockierte seine Mitspieler mit fremdenfeindlichen Äußerungen vor allem gegenüber Türken. Dazu passen Äußerungen in einem Video, das nach der Tat durchs Netz kursierte und in dem ein erregter Wortwechsel zwischen zwei Männern zu hören ist, unter anderem "Ich bin Deutscher" und "Scheißtürken!".

Hintermann in Ansbach?


Neue Erkenntnisse haben die Ermittler auch zum Attentäter von Ansbach. Er bekam wohl unmittelbar vor dem Bombenanschlag Anweisungen. Auf einem Handy des 27-Jährigen entdeckten die Ermittler Hinweise darauf, dass der Syrer in einem Chat beeinflusst wurde. "Es hat offensichtlich einen unmittelbaren Kontakt mit jemandem gegeben, der maßgeblich auf dieses Attentatsgeschehen Einfluss genommen hat", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Mittwoch. Der "intensive Chat" endete demnach unmittelbar vor dem Attentat. Offen blieb am Mittwoch, ob tatsächlich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) dahintersteckt.
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