Horst Seehofer und Markus Söder
Verbalraufereien der Alpha-Tiere

Wer ist der Größte? Horst Seehofer, Ministerpräsident und CSU-Parteichef, müsste erst abtreten, damit Markus Söder an seine Stelle treten könnte. Doch Seehofer macht keine Anstalten, dass er Söder diesen Wunsch erfüllt. Unterdessen wird der Ton zwischen beiden schärfer. Bild: dpa
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Bayern
09.11.2016
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Die Ruhe und der Frieden hielten nicht einmal einen Tag. Horst Seehofer und Markus Söder beharken sich gegenseitig verbal. Nur den Namen des jeweils anderen nennen sie nicht.

München. Der CSU-Parteitag sollte Sach- statt Personaldebatten bringen und nach dem Dauerfeuer aus Bayern wegen der Flüchtlingspolitik ein Zeichen der Annäherung zwischen der CSU und Bundeskanzlerin Angela Merkel setzen. Parteichef Horst Seehofer nötigte sich sogar eine Art Entschuldigung in Richtung der Kanzlerin ab, die er ein Jahr zuvor an gleicher Stelle geradezu gedemütigt hatte. Seehofer ahnt, dass die Union wieder mit Merkel an der Spitze in den Bundestagswahlkampf 2017 ziehen wird, da will er rechtzeitig die Weichen für eine Aussöhnung stellen. Jedenfalls kam ihm auf dem Konvent kein böses Wort über die Kanzlerin über die Lippen.

Markus Söder hat Seehofers Bemühen sehr wohl registriert. Doch die Münchener Messehalle war noch nicht einmal richtig ausgeräumt, da gab er der Passauer Neuen Presse (PNP) ein Interview. In diesem rügte er Parteifreunde, die Merkel schon jetzt ihre Unterstützung im Falle einer neuerlichen Kanzlerkandidatur signalisiert hatten. "Einige aus der CSU sind bereits mit vorauseilendem Gehorsam nach vorn gegangen. Das war nicht gut", sagte Söder, der weiß, wie groß die Vorbehalte an der CSU-Basis gegenüber Merkel noch immer sind. Namen der von ihm gemeinten Merkel-Freunde nannte Söder nicht, doch in Teilen der Partei wurden diese Sätze als erneuter Nadelstich gegen Seehofer gewertet. Oder war es die Replik auf ein Fernseh-Interview Seehofers, in dem er an den Teamgeist in der CSU appellierte und den Egoismus Einzelner rügte?

Seehofer explodiert


Am Montag dann eskalierte die Angelegenheit. Auf einer turnusmäßigen Sitzung von CSU-Landesgruppe im Bundestag und Münchener Landtagsfraktion in Berlin forderte nach Teilnehmerangaben Ex-Parteichef Erwin Huber ganz im Sinne Seehofers, die Attacken gegen Merkel endlich einzustellen. Dabei verwies er auf das Söder-Interview in der PNP. Aus Seehofer sei es daraufhin förmlich herausgeplatzt. Er schimpfte über "Privatstrategien", deren Eigennutz über dem Gesamtwohl der Partei stehe. Er sei nicht länger bereit, das hinzunehmen, und habe dann noch gesagt: "Wer jeden Tag einen Förderbescheid überreicht, ist noch lange kein Stratege." Söders Namen erwähnte er nicht, doch jedem war bekannt, dass der Finanzminister seit Monaten durchs Land tingelt und Bürgermeistern öffentlichkeitswirksam Förderbescheide für den Breitbandausbau in die Hand drückt.

In der CSU ist man nun einigermaßen fassungslos über die nicht enden wollenden Verbalraufereien der beiden Alpha-Tiere, die vor vier Jahren begannen, als Seehofer Söder vor Journalisten ganz freimütig der "Schmutzeleien" bezichtigte und ihm bescheinigte, "vom Ehrgeiz zerfressen" zu sein und "charakterliche Schwächen" zu haben. Öffentlich äußern will sich zu der neuen Runde niemand so richtig.

Der Dauerstreit schade der Partei, er müsse beendet werden, hört man allenthalben. Neu ist diese Einschätzung nicht, nur wird der Ton genervter und gereizter. Es gibt aber auch schon welche, die den Führungsanspruch des Parteichefs in Streitfragen betonen. Zudem deutet sich ein Riss in der CSU an. Die einen können Seehofers "Grant" verstehen, die anderen sprechen von "parteischädigendem Söder-Bashing". Die beiden Protagonisten - schwiegen am Dienstag zu der Sache.

Wer jeden Tag einen Förderbescheid überreicht, ist noch lange kein Stratege.
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