Immer mehr Menschen lassen sich „Kleinen Waffenschein“ ausstellen
Abschreckungswaffen

Ein "Kleiner Waffenschein" liegt zwischen einer Schreckschusspistole "Walther P22", einem Magazin und einer Knallpatrone. Bild: dpa
Politik BY
Bayern
18.05.2016
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München/Erlangen. Die Flüchtlingskrise geht mit einem Boom der Schreckschusswaffen in Bayern einher. Im vergangenen Jahr wurden gut doppelt so viele "Kleine Waffenscheine" für Schreckschusspistolen ausgestellt wie 2014 - und in den ersten drei Monaten dieses Jahres gab es dann erneut eine Verdopplung. Das geht aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen hervor. Demnach waren 2014 insgesamt 2379 kleine Waffenscheine neu ausgestellt worden, 2015 waren es 5748. Im ersten Quartal dieses Jahres - nach den Vorfällen in der Kölner Silvesternacht - ging es weiter steil nach oben: Allein im Februar waren es 7435, im März noch einmal 4677.

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte, die Besorgnis der Menschen vor einer zunehmenden Kriminalität von Ausländern sei zum Teil nachvollziehbar, in der Gesamtsumme in Bayern aber nicht berechtigt, weil die Kriminalität im Freistaat nicht gestiegen sei. Von einer "massenhaften Bewaffnung mit Schreckschusspistolen" rate er dringend ab.

"Die Menschen haben ein Recht auf Selbstverteidigung. Pfefferspray in der Handtasche kann da durchaus vernünftig sein", sagte Herrmann am Dienstag in Erlangen. Bei einer Schreckschusspistole sei er aber skeptisch. "Ich glaube, dass sich da Menschen in falscher Sicherheit wiegen und mit der Verwendung einer Schreckschusspistole eher die Gefahr wächst, dann plötzlich in eine Auseinandersetzung mit Berufskriminellen, die schwer bewaffnet sind, hineingezogen zu werden." Die Politik aber müsse "der Bevölkerung ein klares Bild vermitteln, dass die Polizei, dass der Staat alles für die Sicherheit der Menschen tut".

"Die explosionsartige Zunahme der 'Kleinen Waffenscheine' ist sehr besorgniserregend", sagte Katharina Schulze, innenpolitische Sprecherin der Landtags-Grünen. Laut Innenministerium gab es Ende März insgesamt 66 245 "Kleine Waffenscheine" in Bayern. Keinen vergleichbaren Boom gibt es bei echten Schusswaffen, deren Besitz nur unter sehr viel strengeren Auflagen erlaubt ist.
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