In Windischenlaibach Insellösung gegen Raser
Querungshilfe als Bremsklotz

Die Interessensgemeinschaft mit Kerstin Döring (Dritte von links) an der Spitze war mehr als zufrieden mit der schnellen Entscheidungsfindung. Bürgermeister Manfred Porsch meinte, sie dürfe eine Flasche Sekt kalt stellen. Bild: bkr
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Bayern
28.01.2016
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An der Ortsein- und -ausfahrt Richtung Kirchenlaibach wird zu schnell gefahren. Um Raser auszubremsen, trafen sich am Dienstag Anwohner und Vertreter der Gemeinde, des Bauamts, Landratsamts sowie der Polizei. Sie einigten sich auch gleich auf eine Lösung.

Windischenlaibach. Die Bürger hatten gegen die Raserei auf der Staatsstraße 2184 eine Interessengemeinschaft mit Kerstin Döring an der Spitze gegründet. Sie, Bürgermeister Manfred Porsch, Fritz Baumgärtel vom Staatlichen Hochbauamt, Polizeihauptkommissar Jürgen Schenkel von der Inspektion Bayreuth-Land und Martin Schwarzbeck vom Landratsamt Bayreuth, Leiter des Fachbereichs Verkehrswesen, fanden sich zum Ortstermin ein. Dabei zeigte sich, dass von drei möglichen Lösungen nur die finanziell und baulich aufwendigste zum Erfolg führt.

Die preiswerteste Variante wäre Tempo 70 für das 500 Meter lange Straßenstück zwischen Kirchenlaibach und Windischenlaibach. Doch dagegen hat das Landratsamt Einwände. Die Sicht sei ausreichend, um schon von Weitem das Ortsschild zu erkennen und um rechtzeitig auf 50 Kilometer pro Stunde abzubremsen. Den aufkommenden Unmut bei der Interessengemeinschaft dämpfte Baumgärtel. Eine Verkehrsinsel, nicht zur Verkehrsberuhigung, sondern als Überquerungshilfe für Radfahrer und Fußgänger, sah er als machbar an. Dass damit auch der Verkehrsfluss gemindert wird, sei ein gewünschter Nebeneffekt. Der Standort müsste jedoch aufgrund des Platzbedarfs noch vor die Einfahrt in den Flurbereinigungsweg auf die Höhe der ersten Häuser hinausgeschoben werden, meinte der Bauamt-Vertreter. Die Insel selbst muss 2,50 Meter breit sein, damit ein Kinderwagen oder Radfahrer darauf Platz findet. 3,75 Meter beidseits braucht der Schneepflug.

Die Grundstücksfrage konnte gleich gelöst werden. Der betroffene Eigentümer Konrad Frank, selbst Mitglied der Initiative, meinte: "Wir sind die Letzten, die sich querstellen." Allerdings brauche er für seine landwirtschaftlichen Fahrzeuge ausreichend Platz zum Einbiegen in den Flurbereinigungsweg.

Dieses Jahr kommt die Insel aber nicht mehr. In der Planung des Staatlichen Hochbauamts müssen die dort verlaufenden Wasser-, Kanal- und Fernmeldeleitungen berücksichtigt werden. Auch die finanziellen Mittel müssen sichergestellt sein. Bürgermeister Manfred Porsch gab deshalb 2017 für den Bau an. Einzige Ausgabe für die Gemeinde ist die Beleuchtung der Verkehrsinsel. Kerstin Döring sagte nach der 45-minütigen Ortsbesichtigung: "Wir haben nicht mit dem Ergebnis und dass es so schnell geht gerechnet."
Trotz 138 "Sachen" Polizei machtlosDer Tatsache, dass zu schnell in die Ortschaft gefahren oder noch im Dorf aufs Gaspedal getreten wird, ist schwer beizukommen. Wobei die Bürokratie auch eine Mitschuld trägt. Satte 138 Kilometer pro Stunde zeigte einmal ein am Ortseingang installiertes Messgerät an. Doch das ist für die Polizei nicht relevant. Laut Hauptkommissar Jürgen Schenkel darf sie erst 200 Meter hinter dem Ortsschild ihr Messgerät aufbauen. Am 10. Dezember erfasste es von 7.30 bis 9.30 Uhr 140 Fahrzeuge, von denen nur fünf zu schnell waren. Auf 68 "Sachen" brachte es der Spitzenreiter.

Für Radfahrer, die am Ortseingang die Straße überqueren müssen, weil dort der Fahrradweg endet, ist die Gefährdung hoch, ebenso für ältere Menschen und Kinder. Die Ortseinfahrt sei aber kein Unfallschwerpunkt, betonte der Hauptkommissar. Die Ortstafel nach außen zu versetzten, bringe nur 50 Meter. Weiter hinaus sei aufgrund der fehlenden Bebauung nicht möglich. (bkr)
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