Integration an Schulen
Geld alleine reicht nicht

Der schönste Finanztopf hilft nichts, wenn die Lehrerin vor Ort nichts davon spürt.
Politik BY
Bayern
29.02.2016
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Allein im großen Klassenzimmer? Die Lehrer in Bayern wünschen sich mehr Unterstützung bei der Integration von Flüchtlingskindern in den Schulen.

München. "Die Bereitschaft zur Integration an den Schulen ist ungebrochen hoch, aber das funktioniert auf Dauer nur in einem multiprofessionellen Team", erklärte die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Simone Fleischmann, am Montag in München. Die großen Herausforderungen von der Alphabetisierung über die kulturelle und gesellschaftliche Bildung bis zur psychologischen oder gar psychiatrischen Betreuung könne ein Lehrer in einer Klasse nicht allein bewältigen. Die Hilfe müsse die Schulen nun rasch erreichen, "sonst besteht die Gefahr, dass die Stimmung in den Kollegien kippt", sagte Fleischmann.

Die BLLV-Präsidentin begrüßte die grundsätzlichen Weichenstellungen zur Integration in Bayern, es bestünden aber noch zu viele Hürden und "Stolpersteine". "Der schönste Finanztopf hilft nichts, wenn die Lehrerin vor Ort nichts davon spürt", warnte Fleischmann. So komme das zusätzliche Fachpersonal zu langsam an den Schulen an, die Schulbehörden würden "nicht immer die kreativen, unbürokratischen und regional passgenauen Schritte gehen". Nötig sei zum Beispiel, Schulleitungen und Lehrer von unnötigen Aufgaben zu befreien, mehr praxistaugliche Fortbildungen anzubieten und die Lehrkräfte im Umgang mit traumatisierten Kinder nicht allein zu lassen. Schule sei die "zentrale Institution der Integration", betonte Fleischmann, doch bräuchten Lehrer dafür die entsprechenden Rahmenbedingungen. Schließlich dürften die alltäglichen pädagogischen Aufgaben nicht vernachlässigt werden. Es dürfe bei aller Notwendigkeit der Integration nicht der Eindruck entstehen, dass sich der Beschulung und Betreuung der Flüchtlingskinder alles andere unterordnen müsse.

Wachsende Belastung


Nach einer aktuellen Umfrage des Forsa-Instituts unter Lehrkräften ist die Zufriedenheit der Lehrer in Bayern mit ihrem Beruf weiterhin sehr hoch. 95 Prozent der Befragten gaben an, gern oder sehr gern zur Arbeit zu gehen. Allerdings klagten die meisten Pädagogen auch über wachsende Belastungen im Schulalltag. 81 Prozent gaben an, unter praxisfernen Entscheidungen der Politik zu leiden, 57 Prozent, dass die über den Unterricht hinausgehenden Aufgaben das Zeitbudget übermäßig belasteten.

Gut die Hälfte der Lehrkräfte fühlt sich im Umgang mit den immer heterogener zusammengesetzten Klassen und mit schwierigen Schülern allein gelassen. Fleischmann sah sich durch die Umfrage bestätigt.
Der schönste Finanztopf hilft nichts, wenn die Lehrerin vor Ort nichts davon spürt.Simone Fleischmann, Präsidentin des BLLV
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