Islamismus in Ulm
Wie gefährlich ist die radikale Szene?

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Bayern
19.05.2016
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Ulm/Neu-Ulm. Ulm steht für das Münster, für Butterbrezen und Donauwiesen - aber zwischenzeitlich stand es auch einmal für radikalen Islamismus. Die radikal-berüchtigten Gebetshäuser sind zwar seit Jahren geschlossen. Aber in den vergangenen Wochen brachten Fanatiker die Donaustadt erneut in die Schlagzeilen. Wie gefährlich ist die Szene in dem beschaulichen Städtchen und im bayerischen Neu-Ulm noch? Erst im April nahmen Ermittler drei mutmaßliche Terrorunterstützer fest. Die jungen Männer sollen Geld für "Gotteskrieger" gesammelt haben und wollten nach Syrien reisen.

Das im Oktober 2007 geschlossene Islamische Informationszentrum (IIZ) im Ulm galt als wichtiger Anlaufpunkt für Radikale. In Neu-Ulm waren Islamisten ebenfalls aktiv, im Dezember 2005 wurde dort das "Multikulturhaus" verboten. Die drei Bombenbauer der sogenannten Sauerland-Zelle hatten Verbindungen nach Ulm. Auch der mutmaßliche Paris-Terrorist Salah Abdeslam soll sich im Oktober in Ulm aufgehalten haben. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe bestätigte den Verdacht. Die Stadtverwaltung wehrt sich entschieden gegen das Image. "Das ist keine Islamistenstadt, und wer was anderes behauptet, soll Fakten auf den Tisch legen", schimpft der Oberbürgermeister Gunther Czisch (CDU). Die Ulmer Szene ist vielleicht klein, aber sie ist offenbar nicht tot. Nach den drei Festnahmen würden derzeit etwa noch ein halbes Dutzend Menschen überwacht, sagt Ulmer Polizeipräsident Christian Nill. Aber wieso gerade Ulm? Es ist eine internationale Stadt mit Menschen aus mehr als 130 Nationen, verkehrsgünstig an Autobahnkreuz und ICE-Trasse, umringt von Flughäfen. Der Ulmer Fraktionsgeschäftsführer der Grünen, Michael Joukov, spricht von einem Standortnachteil. Die sonst gute Lage an der Ländergrenze mache Ulm auch zu einem guten Treffpunkt für illegale Aktivitäten. Dies stelle im Alltag kein Problem dar, sagt Nill. In einer länderübergreifenden Ermittlergruppe arbeiteten Beamte aus den Polizeipräsidien Kempten und Ulm zusammen.

Islamisten in der OberpfalzDer Bayerische Verfassungsschutz beobachtet seit Jahren die salafistische Szene in der Oberpfalz. Auch im Verfassungsschutzbericht fürs Jahr 2015 werden die Islamischen Zentren in Weiden, in Schwandorf und in Regensburg genannt. Sie dienen als "Plattformen für salafistische Vortragsveranstaltungen und salafistischen Islam- und Koranunterricht". In der Schwandorfer As-Salam-Moschee ist etwa regelmäßig der Berliner Prediger Ahmad Abul Baraa zu Gast, ein Wortführer der salafistischen Szene in Deutschland. Ein aus Marokko stammendes Mitglied der Schwandorfer Gemeinde versuchte Flüchtlinge in der Kreisstadt zu umwerben. Seit Jahren laufen Anwerbeaktionen mittels Info-Tischen und Koran-Verteilung in Fußgängerzonen.

Die Gruppe Islam-Info-Stand Regensburg/Schwandorf/Amberg kündigte auf Facebook an, auch dieses Jahr regelmäßig in Regensburg Koran-Ausgaben verteilen zu wollen. Aus dem Umfeld der Salafisten in Weiden sind mehrere junge Männer in den Krieg nach Syrien gezogen. Einer, Mehmet C., ist im Jahr 2014 dort als Dschihadist gestorben (wir berichteten). Der ehemalige Fußballer aus dem Kreis Neustadt/WN wurde als "Muhammed al-Turki" verherrlicht. Mehmet C. war zeitweilig an der Seite des Berliner Gangsta-Rappers Denis Cuspert, alias Deso Dogg, als beide für die islamistische Gruppe Junud as-Sham kämpften. Cuspert ist inzwischen nach Einschätzung des Pentagons durch einen amerikanischen Luftangriff getötet worden. Unter dem Namen Abu Talha al-Almani hatte sich Cuspert der Terrormiliz Islamischer Staat IS zugewandt. (paa)
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