Jahrzehntelang wurde das Körperteil dem Bombenleger Köhler zugeordnet - Eine Krankenschwester ...
Die verschwundene Hand vom Oktoberfest-Attentat

Eine neue Zeugin zum Oktoberfest-Attentat im Interview im ehemaligen Oststadtkrankenhaus von Hannover. Bild: Bayerischer Rundfunk/Harrich/Chaussy/dpa
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Bayern
05.02.2015
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Das Fragment einer Hand wird nach dem Anschlag auf das Münchener Oktoberfest am 26. September 1980 etwas abseits des Explosionsortes gefunden. Es wird untersucht - und verschwindet spurlos. 1,39 Kilogramm TNT rissen damals 13 Menschen in den Tod, unter ihnen den Attentäter Gundolf Köhler. Die Ermittler ordneten ihm die Hand zu. Der Anhänger der rechtsextremen Wehrsportgruppe Hoffmann beging laut Ermittlungsergebnis die Tat allein und aus persönlichem Frust.

Doch an der offiziellen Version gab es immer massive Zweifel. Nun führen Hinweise zu einen anonymen Patienten, der sich wenige Tage nach dem Attentat im Klinikum Oststadt-Heidehaus in Hannover meldete und dem eine Hand fehlte. Eine damals dort tätige Krankenschwester informierte den Reporter des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Chaussy, der seit 1980 in dem Fall recherchiert.

Sie berichtete nun im BR und in den ARD-"Tagesthemen" von einem jungen Mann, der kurz nach dem Attentat mit zerfetztem Unterarm ins Krankenhaus gebracht wurde. Zunächst habe er nicht sagen wollen, wie es dazu kam. Später sagte er dann, er habe "ein bisschen mit Sprengstoff gespielt". Ein Mittäter?

Neue Zeugen melden sich

Immer wieder melden sich neue Zeugen - mit Hinweisen, dass Köhler nicht allein war. Die Aussage einer von dem Opferanwalt Werner Dietrich präsentierten Zeugin zu möglichen rechtsextremen Netzen trug wesentlich zur Wiederaufnahme der Ermittlungen im Dezember bei. "Jetzt gibt es eine Wende: die Chance, Mittäter und Hintermänner zu ermitteln - und die Bundesanwaltschaft scheint sich darum ebenfalls ernsthaft zu bemühen", sagt Chaussy.

Opfervertreter gingen davon aus, dass der Anschlag einen rechtsextremen Hintergrund hatte. Laut Chaussy war die Hand nach Blutgruppe und -serum Köhler nicht zuzuordnen. In der Wohnung des Studenten fand sich nur ein Fingerabdruck der Hand - auf einem Ordner mit Studienunterlagen des Wintersemesters 1980/1981, sonst weder auf persönlichen Dingen noch im von Köhler benutzten Auto. Das Handfragment wurde zudem gut 20 Meter entfernt vom Explosionsort gefunden. Die Bombe detonierte aber in Köhlers Händen, die laut Chaussy atomisiert wurden. Das bestätigt ein Ex-Sprengstoffspezialist des Bundeskriminalamtes, der an der Rekonstruktion der Bombe beteiligt war und der in der ARD-Dokumentation "Attentäter - Einzeltäter?" zu Wort kommt.

Anonymer Anruf

Jetzt die Krankenschwester: "Ich habe den amputierten Arm gesehen. Und er hatte ein Strahlen im Gesicht. Ich war völlig irritiert und geschockt." Der Mann habe nie Besuch von Angehörigen bekommen, dafür von Männern, die nie alleine kamen. Er sei weg gewesen, bevor die Behandlung beendet gewesen sei. Auch Dietrich bekam Hinweise auf einen Patienten ohne Hand - durch einen anonymen Anruf zwischen Januar 1983 und November 1984.
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