Klimareport Bayern 2015
Wetter wie in Verona und Turin

Südländisches Flair in Amberg - die Stadtgärtnerei pflanzt in den Sommermonaten regelmäßig exotische Gewächse im Englischen Garten. Gut möglich, dass Palmen in Bayern öfter zu sehen sein werden, wenn infolge des Klimawandels tatsächlich norditalienische Wetterbedingungen herrschen. Archivbild: Hartl
Politik BY
Bayern
08.12.2015
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Der Klimawandel wird in Bayern erhebliche Folgen für Mensch und Umwelt haben. Darauf weist der Klimareport Bayern 2015 hin. Dürrephasen werden zunehmen, die Winter kürzer und schneeärmer.

Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) erklärte am Montag in München: "Der Klimawandel ist Fakt und wird sich noch deutlich beschleunigen." Ein weiterer ungebremster Klimawandel werde das Gesicht des Freistaats verändern. Aufzuhalten seien die Veränderungen nicht mehr, doch könnten ihre Auswirkungen begrenzt werden. Für München werden 2060 bei Temperatur und Niederschlägen die heutigen Klimadaten von Verona erwartet, für Nürnberg die von Turin.

Schnee nur in Hochlagen


Schon vergangene Woche hatte Scharf im Landtag die wichtigsten Prognosedaten aus dem Report zitiert. Demnach könnte sich die Jahresdurchschnittstemperatur im Freistaat um bis zu 4,5 Grad erhöhen. Im Sommer ergibt sich daraus eine Vervielfachung der Hitzetage und im Winter werden sich Schnee und Eis zunehmend in die Hochlagen der Alpen zurückziehen. Generell wird es trockenere und heißere Sommer geben. Vor allem in Nordbayern dürften dann Dürrephasen und Wasserknappheit zunehmen.

Die Winter werden nach den Szenarien feuchter und milder mit der Gefahr häufigerer extremer Hochwasserlagen. Weiter ansteigen werden auch die Temperaturen in den Gewässern. Dies wird zum Rückzug von Fischarten wie der Bachforelle und zu verstärktem Algenwachstum führen. Weiter nach vorne wird sich der Beginn der Jahreszeiten verschieben. Seit 1990 hat sich der Beginn von Frühling, Sommer und Herbst um gut eine Woche nach vorne geschoben. Der Winter startet aber immer später. Als Folge hat sich die Vegationsperiode in den vergangenen 50 Jahren um 26 Tage verlängert.

Die Folgen für die menschliche Gesundheit werden zunehmen. Allergiker werden immer länger mit dem Pollenflug zu kämpfen haben. Die steigende Zahl an Hitze- und Tropentagen, an denen es auch nachts nicht unter 20 Grad abkühlt, wird das Herzinfarktrisiko vor allem älterer Menschen um bis zu 60 Prozent steigen lassen. Die milderen Winter werden die Überlebensdauer bekannter Krankheitserreger und -überträger erhöhen und die Etablierung neuer erleichtern. Das Gleiche gilt für Schädlinge in der Land- und Forstwirtschaft.

Nach Einschätzung des Vizepräsidenten des Deutschen Wetterdienstes, Paul Becker, wäre die weltweit angestrebte Begrenzung des Temperaturanstiegs bis 2100 um zwei Grad "für Bayern beherrschbar". Bei der maximal erwarteten Erwärmung von über vier Grad werde es "kritisch".

"Klimafest" machen


Scharf nannte deshalb das bayerische Programm zum Klimaschutz. Es sehe den Ausstieg aus der Kohleverstromung, eine Stärkung der Elektromobilität, die Renaturierung CO2-speichernder Moore sowie Energieeinsparung und erhöhte Energieeffizienz vor. Außerdem soll der Freistaat bis 2050 auf allen Ebenen "klimafest" gemacht werden.
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Renate Kühnel aus Weiden in der Oberpfalz | 15.12.2015 | 01:58  
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