Kommentar zu den unterschiedlichen Wartezeiten bei Fachärzten
Bitte mehr Ehrlichkeit

Politik BY
Bayern
30.12.2015
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Die Rechtfertigung, dass in Bayern Wartezeiten auf Facharzt-Termine "zu den kürzesten" im europäischen Vergleich gehören, hilft nicht wirklich weiter: Schon gar nicht dem Kassenpatienten, der in der nördlichen Oberpfalz mehr als ein halbes Jahr lang auf einen Termin beim Facharzt wartet. Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) verniedlicht, wenn sie "allenfalls von einem punktuellen Problem" spricht. Es ist inzwischen eine Binsenweisheit, dass in den Ballungsräumen mehr Fachärzte praktizieren als auf dem Land - und die Ärzte-Dichte in München nun mal höher ist als in Amberg oder Weiden.

Von medizinischen Notfällen abgesehen: Ist es nicht nachvollziehbar, wenn Fachärzte bei sogenannten "Wunschterminen" die besser zahlenden Privatpatienten bevorzugen? Sie subventionieren schließlich die Praxis. Die Ärzte können ihre tatsächlich erbrachten individuellen Leistungen abrechnen: im Gegensatz zu bürokratischen Deckelungen wie "Praxis-Regelvolumen" oder "Arzneimittel-Budget" bei den Kassenpatienten. Die gesetzlich Versicherten dürfen zwar mit ihren Beiträgen das Gesundheitssystem weitgehend finanzieren. Bei der direkten Abrechnung mit dem Arzt sind sie jedoch außen vor. Das System übernimmt für sie: Die Pauschale steht über dem Einzelnen.

Vor diesem Hintergrund wäre es in der Tat beruhigend, wenn der Unterschied zwischen "Privat" und "Kasse" (über den niemand offiziell spricht) nur bei den Wartezeiten besteht ... Die Dinge beim Namen zu nennen - ein Mehr an Transparenz und Vertrauen - würden das Gesundheitssystem noch verträglicher und gerechter machen: für Arzt und Patient.

clemens.fuetterer@derneuetag.de
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