Kommentar zu Mindestabstand für Windräder
Mit der 10H-Regel wird die Energiewende noch schwerer

Politik BY
Bayern
09.05.2016
146
2

Für den 10H-Erfinder Horst Seehofer ist die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs zu den Mindestabständen für Windräder ein voller Erfolg. Er hat sein Ziel erreicht, die vermeintliche "Verspargelung" des schönen Bayernlandes zu verhindern. Das nun höchstrichterlich bestätigte Gesetz zur 10H-Regelung schränkt die für Windkrafträder verfügbare Fläche derart ein und erschwert die Genehmigungsverfahren faktisch so sehr, dass der Neubau von Anlagen gen Null tendieren wird. Daran ändert auch der etwas weltfremde Tipp der Richter nichts, die Türme einfach kleiner zu bauen.

Genau deshalb ist das Urteil für die Staatsregierung ein Pyrrhus-Sieg. Denn nun muss sie erklären, wo der Strom in Bayern herkommen soll, wenn 2022 das letzte Atomkraftwerk stillgelegt ist. Muss die Laufzeit der Meiler jetzt doch verlängert werden? Wer bezahlt die womöglich nötigen Gaskraftwerke, aus denen dann Erdgas aus Russland verfeuert wird? Braucht es noch mehr Stromleitungen nach Bayern, weil der Freistaat immer weniger eigenen Strom produziert?

Staatsregierung und CSU werden darauf Antworten geben müssen. Denn mit der 10H-Regelung bricht ein Eckpfeiler aus dem 2011 nach Fukushima parteiübergreifend beschlossenen Konzept zur Energiewende weg. Es könnte sich noch herausstellen, dass es klüger gewesen wäre, kritische Bürger mit Beharrlichkeit und Einfühlungsvermögen von der Windkraft zu überzeugen. Denn am Ende wird auch Seehofer erkennen müssen: Der Strom kommt nicht einfach aus der Steckdose.

redaktion@derneuetag.de
2 Kommentare
8
Renate Kühnel aus Weiden in der Oberpfalz | 11.05.2016 | 02:24  
98
Dr. Peter Steinbock aus Eschenbach in der Oberpfalz | 18.07.2016 | 14:48  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.