Kommentar zu NSU
Neue Aussage, viele Fragen: NSU-Prozess nimmt Fahrt auf

Politik BY
Bayern
17.12.2015
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251 Prozesstage hat Ralf Wohlleben gebraucht, bis er seinen Mund aufmacht. Immerhin: Im Gegensatz zu Beate Zschäpe hat der 40-jährige Angeklagte im NSU-Prozess selbst gesprochen. Und er hat ein paar Hintergründe geschildert. Zschäpes Aussage hat offenbar den Druck auf die restlichen mutmaßlichen Mittäter massiv erhöht.

Das Strickmuster bei den beiden Angeklagten ist allerdings sehr ähnlich, beide sehen sich vor allem als Opfer. Zschäpe in ihrer vermeintlichen emotionalen Abhängigkeit zu den Haupttätern Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, Wohlleben als Verfolgter angeblicher Gewalt "sogenannter Antifaschisten".

Der mutmaßliche Terrorhelfer macht aus seiner rechtsextremen Haltung keinen Hehl. Wohlleben bedient sich dabei der klassischen Argumentation vieler "Wohnzimmer-Neonazis": Er sei ja nicht gegen Ausländer, sondern nur gegen die Politik, die den Zuzug von Ausländern fördere. Nach Zschäpes vorgelesener Erklärung war die Empörung der Hinterbliebenen der NSU-Opfer groß. Zur Aufklärung der zehn Morde hat auch Wohlleben bisher nicht viel beigetragen, sondern sich als den großen Ahnungslosen präsentiert. Für Uli Grötsch, den SPD-Obmann im neuen NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestags, ist dies "eine Unverschämtheit" und ein "Schlag ins Gesicht der Angehörigen der Opfer".

Dennoch wirft die neue Aussage weitere Fragen auf. Was wusste der Verfassungsschutz wirklich von der Unterstützung für das NSU-Trio? Warum wurde nicht viel früher gehandelt? Der Prozess in München bleibt spannend und gewinnt zunehmend an Fahrt.

frank.werner@derneuetag.de
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