Kommentar zum CSU-Parteitag
Seehofers Schaulaufen in eigener Sache

Politik BY
Bayern
07.11.2016
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Von wegen "lahme Ente". Auf dem CSU-Parteitag war Horst Seehofer der unangefochtene Chef im Ring, er hatte alle Fäden in der Hand. Und das, obwohl er sich selbst zum Auslaufmodell erklärt hat mit der Ankündigung, 2017 eines seiner Spitzenämter als Regierungs- und Parteichef abzugeben. Kein Kronprinz und schon gar keine Kronprinzessin traute sich diesmal, die große Bühne zum Schaulaufen in eigener Sache zu nutzen. Es hätte der Anfang vom Ende aller Ambitionen sein können.

Seehofers aktuelle Stärke speist sich aus vielen Quellen. Mit seiner sturen Anti-Haltung zur Flüchtlingspolitik der Kanzlerin Angela Merkel hat er die Seele der Partei erreicht und das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt. Zudem umgibt er sich mit der Aura des Unbesiegbaren, der von der "Ausländer-Maut" über den Länderfinanzausgleich bis hin zur Münchener S-Bahn-Röhre überall bayerische Interessen durchsetzt.

Und er inszeniert sich als Mann mit gewaltiger politischer Erfahrung, dem die Zeitläufte mit seinen Entscheidungen und Prognosen stets recht geben. Mit jedem Wort auf dem Parteitag stilisierte sich Seehofer mehr zum Unersetzbaren.

Damit ist aber auch schon das Problem beschrieben. Denn nichts treibt die CSU-Basis derzeit mehr um als die Frage, wer das Land und wer die Partei künftig führen soll. Seehofer (67) hat den geordneten Übergang versprochen, doch bislang wirkt es so, als wäre seine Strategie allein darauf ausgerichtet, Markus Söder als Nachfolger in beiden Ämtern zu verhindern.

Das könnte die CSU vor eine Zerreißprobe stellen. Wegen der bevorstehenden Wahlen drängt die Zeit. Seehofer muss sich bald erklären. Sonst nimmt die Partei das Heft in die Hand und der Chef ist plötzlich ein Getriebener. Frag nach bei Edmund Stoiber.

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