Kommentar zum Holcaust-Gedenktag
Antisemitismus und Rassismus muss jeder entgegentreten

Politik BY
Bayern
24.01.2016
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Das Gedenken an die Verbrechen der NS-Zeit wandelt sich. Es sind immer weniger Überlebende des nationalsozialistischen Terrorsystems unter uns, die von der Pein, dem Schmerz, dem Terror - und vom Geruch der verbrannten Körper erzählen können. Auch wenn es dieses Jahr nochmals so wie in den vergangenen Jahrzehnten ist.

Zum Holocaust-Gedenktag im Bundestag hält am Mittwoch mit Ruth Klüger eine Auschwitz-Überlebende eine Rede. Beim Gedenkakt des Bayerischen Landtages heute in Hersbruck spricht mit Vittore Bocchetta ein Überlebender des zweitgrößten Außenlagers des Konzentrationslagers Flossenbürg. Doch in absehbarer Zeit sind die Nachgeborenen allein mit der Verantwortung für das Gedenken und die Lehren, die gezogen werden müssen. Aussagen wie "Menschenrechte sind nicht teil- oder verhandelbar" dürfen auch dann nicht nur in Sonntagsreden fallen. Sie bleiben Leitlinien der Politik.

Noch immer gehört auch Antisemitismus nicht der Vergangenheit an. Er ist nie aus Deutschland verschwunden. Im Gegenteil. Im Zuge des wachsenden Rechtsradikalismus und Rassismus drängt er zurück - mitten in unsere Gesellschaft. Davon zeugen nicht nur die Hasskommentare in digitalen Netzwerken wie Facebook.

Jeder ist gefordert, denen entgegenzutreten, die ein "Loch im Kopf" haben, wie Peer Steinbrück es formuliert. Dazu gehört es auch, immer wieder den stigmatisierenden Gebrauch des Wortes "die" aufzudecken. Menschen wegen ihrer Herkunft oder Religion zu beargwöhnen, abzustempeln oder zu verurteilen geht nicht. Antisemitismus hat keinen Platz in unserer Gesellschaft - das gilt für hier Geborene und für Zuwanderer gleichermaßen.

Auch in der internationalen Politik ist aus dem "Nie wieder Auschwitz" eine Verantwortung erwachsen. Sie wurde zum ersten Mal 1948 in der "Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes" durch die Vereinten Nationen festgelegt und seither weiterentwickelt. Damit diesen Auftrag zu erfüllen, ist die Welt immer wieder gescheitert: Ruanda, Srebrenica und zuletzt Syrien und Nordirak sind nur die bittersten Beispiele.

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