Kommentar zur Situation der Bauern
Konzerne machen immer mehr Bauern zu Knechten

Politik BY
Bayern
08.03.2016
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Je größer der Stall, je stärker der Traktor, desto reicher der Bauer. Diese Zeiten scheinen vorbei. Heute müsste es wohl heißen: desto größer die Schulden. Einst stolze landwirtschaftliche Güter existieren nur noch in der Erinnerung, sind zerfleddert, weil sich der Betrieb nicht mehr wirtschaftlich betreiben ließ.

"Unter den Erwerbsquellen ist keine so edel, so ergiebig, so lieblich und so ehrenvoll für den freien Mann wie die Landwirtschaft" soll der römische Redner Cicero gesagt haben. Doch zur Freiheit taugt die Landwirtschaft immer weniger. Bauern werden zunehmend zu Knechten - zu Abhängigen der Konzerne und des Handels. Diese diktieren Qualität und Preis. Das heißt für die Bauern: volles Risiko bei geringer Bezahlung.

Dabei ist die Landwirtschaft nicht irgendeine x-beliebige Produktionssparte. Sie arbeitet mit Tieren und Pflanzen in der Natur. Und der Umwelt sind bekanntlich Rendite-Gedanken völlig fremd. Sie kennt auch keine Rationalisierungskonzepte. Sie kennt nur den Kreislauf des Lebens. Nehme das, was du brauchst. Gib etwas zurück. Nirgends passt eine alte Weisheit so gut wie in der Landwirtschaft: Die Bäume wachsen nicht in den Himmel.

Die Bauern wissen das. Und weltumspannende Nahrungskonzerne wissen das auch. Sie expandieren dennoch - in einem gesättigten Markt logischerweise in Form des Verdrängungswettbewerbs. Die kleinen Schwachen verschwinden zuerst. Sich der zunehmenden Wirtschaftskonzentration zu erwehren, steht nicht nur ihnen gut. Kein Verbraucher kann ernsthaft wollen, dass in grenzenloser Marktmacht eine Handvoll Unternehmen die Welt ernähren soll.

alexander.raedle@derneuetag.de
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