Kriminalität im Freistaat
Bayern leben sicherer

Politik BY
Bayern
17.05.2016
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Die hohe Zahl der Flüchtlinge schürt Kriminalitätsängste. Doch tatsächlich lebt es sich heute in Bayern sicherer als vor zehn Jahren.

München. Entgegen weit verbreiteter Befürchtungen in der Bevölkerung hat der große Zustrom an Flüchtlingen nicht zu einem Anstieg der Kriminalität in Bayern geführt. Das geht aus den Zahlen des Innenministeriums in München hervor. Zieht man die vielen Ermittlungsverfahren wegen unerlaubter Einreise ab, ist die Gesamtkriminalität in Bayern 2015 sogar gesunken - und zwar sowohl im Vergleich zum Vorjahr als auch im langjährigen Trend.

Gemessen am bayerischen Kriminalitätsdurchschnitt lässt die Polizeistatistik allerdings auch vermuten, dass Flüchtlinge im Vergleich zum Anteil an der Bevölkerung überproportional häufig straffällig werden - oder zumindest die Polizei häufiger einschreitet. So zählte die Polizei im vergangenen Jahr im Freistaat insgesamt 5639 Fälle von "Roheitsdelikten", bei denen Asylbewerber, Flüchtlinge oder ohne gültige Papiere eingereiste Ausländer tatverdächtig waren. "Roheitsdelikte" sind im Fachjargon der Sicherheitsbehörden Gewalttaten, Raub oder Straftaten gegen die persönliche Freiheit wie Entführung oder Geiselnahme.

Wenig zu spüren


Diese Zahlen veröffentlicht das Haus von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) auf Anfrage. Insgesamt zählte die bayerische Polizei im vergangenen Jahr 96 602 "Roheitsdelikte". Der Anteil der Flüchtlinge an diesen Straftaten lag bei 5,8 Prozent - höher als ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung. Doch die einheimische Bevölkerung bekam davon sehr wenig zu spüren. Denn in knapp 80 Prozent der Fälle waren andere Ausländer die Opfer, mutmaßlich größtenteils andere Flüchtlinge. Häufig handelt es um Streitereien in den Unterkünften. Ein besonders heikles Thema sind seit der Silvesternacht in Köln Sexualdelikte. Auch in diesem Bereich legt die Statistik nahe, dass Flüchtlinge überrepräsentiert sind: Von insgesamt 4309 erfassten Tatverdächtigen waren 298 Flüchtlinge, ein Anteil von fast sieben Prozent.

200 000 illegale Einreisen


Doch bislang ist keineswegs gesichert, dass Flüchtlinge tatsächlich krimineller sind als die Einheimischen. In Bayern wurden im vergangenen Jahr exakt 461 302 Menschen einer Straftat beschuldigt, das würde 3,6 Prozent der Einwohner entsprechen. Doch tatsächlich ist der Prozentsatz sehr viel niedriger. Denn in der Zahl enthalten sind über 200 000 Fälle sogenannter illegaler Einreise - also Delikte, die nur von Flüchtlingen und Asylbewerbern begangen werden können, wenn sie ohne Visum nach Deutschland kommen. Die Staatsanwaltschaften stellen die Masse der entsprechenden Ermittlungsverfahren wegen Geringfügigkeit umstandslos ein.

Ganz klar ist jedoch der langjährige Trend bei der Kriminalität - und der weist eindeutig nach unten. Zieht man die massenhaften Fälle unerlaubter Einreise ab, ist die Kriminalität in Bayern trotz gestiegener Einwohnerzahlen im Vergleich zum Jahr 2006 um fast neun Prozent kräftig gesunken. Es gab 2015 über 2700 Gewalttaten weniger als 2006, weniger Vergewaltigungen, weniger Raubüberfälle.
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