Kultusminister zum Start des neuen Schuljahres
Umschwung an Schulen

"Das möglichst frühe Erkennen von Begabungen und Kompetenzen ist ein wichtiger Bestandteil von Bildungsgerechtigkeit." Zitat: Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU)
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Bayern
09.09.2016
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Die Zahl der Schüler in Bayern steigt wieder. "Die Talsohle ist durchschritten", sagt Ludwig Spaenle vor dem Start des neuen Schuljahres. Am Dienstag beginnt für 1,7 Millionen Schüler der Unterricht.

München. Der Kultusminister vermeldete 17 600 Schüler mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Erstklässler steigt um 2286 (plus 2,1 Prozent) auf 111 600. "Das ist ein Umschwung", sagte Spaenle. Die Zuwächse stammten zum einen aus steigenden Geburtenzahlen, zum anderen aus der Zuwanderung aus anderen Bundesländern und der Einschulung von Flüchtlingskindern. Auch ohne diese hätte es aber einen Zuwachs bei den Abc-Schützen gegeben. In der Oberpfalz steigt die Zahl der Schulanfänger um rund 40 auf 9100 und die Gesamtschülerzahl um 300 auf 142 600.

4000 zusätzliche Lehrer


Das größte Plus verzeichnen - flüchtlingsbedingt - die Berufsschulen mit 20 000 zusätzlichen Schülern (plus 5 Prozent). Dagegen ist die Zahl der Schüler an den Gymnasien (minus 2,4 Prozent) und Realschulen (minus 3,1 Prozent) weiter rückläufig. Laut Spaenle wurden 4000 Lehrkräfte neu eingestellt, um Pensionierungen auszugleichen und Herausforderungen wie die Beschulung der rund 58 500 Flüchtlingskinder zu meistern. Allein dafür seien 1079 Planstellen geschaffen worden, berichtete Spaenle. Zum Schuljahresbeginn selbst treten 350 neu eingestellte Lehrer ihren Dienst an. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der für die Flüchtlinge geschaffenen Übergangsklassen von 471 auf 715, die der Berufsintegrationsklassen von 450 auf 1100. In allen Schularten blieben die durchschnittlichen Klassengrößen im Vergleich zum Vorjahr unverändert.

Für die von der Staatsregierung an den Gymnasien geplante Möglichkeit zur Umstellung vom G8 auf eine neunjährige Schulzeit bis zum Abitur (G9) hat Spaenle in dieser Woche den Dialogprozess begonnen. Anders als bei der überstürzten Einführung des G8 soll nun "niemand überrumpelt werden", versprach Spaenle. Bis Jahresende sollen die Eckdaten für freiwillige Rückkehr zum G9 stehen, bis Mitte 2017 will Spaenle die rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen. Anschließend sollen die Schulen ein Jahr Zeit bekommen, sich vorzubereiten. "Dieser Fahrplan wird ein geordnetes Verfahren ermöglichen", sagte Spaenle. G9-Start für alle interessierten Gymnasien wäre damit im Schuljahr 2018/19.

Im Kultusministerium wird derweil an einem Konzept gearbeitet, besonders begabten Schülern an künftigen G9-Gymnasien das Überspringen zu erleichtern. Hierzu soll es ein eigenes Förderkonzept geben. Dieses Modell soll vor allem im ländlichen Raum greifen, wo Schüler voraussichtlich nicht zwischen G8- und G9 wählen können. Das geförderte Überspringen soll Teil der verstärkten Begabtenförderung werden, auf die Spaenle Wert legt: "Das möglichst frühe Erkennen von Begabungen und Kompetenzen ist ein wichtiger Bestandteil von Bildungsgerechtigkeit."

Unterrichtsausfälle


Der bayerische Philologenverband (BPV) begrüßte Spaenles Pläne fürs Gymnasium. Diese decken sich weitgehend mit Vorschlägen, die der BPV bereits vor zwei Jahren vorgelegt hatte. "Die Richtung für das Gymnasium stimmt", sagte der BPV-Vorsitzende Max Schmidt. Kritik an der Personalplanung Spaenles kam dagegen vom bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV). Dessen Präsidentin Simone Fleischmann beklagte, dass bereits vor Schulbeginn Lehrer aus der Mobilen Reserve für Klassleitungen und Regelunterricht verplant seien. Diese stünden dann als Krankheitsvertretungen nicht mehr zur Verfügung, zudem müsse Förderunterricht gestrichen werden. Der SPD-Bildungspolitiker Martin Güll befürchtet bereits ein "Rekordjahr des Unterrichtsausfalls".

Das möglichst frühe Erkennen von Begabungen und Kompetenzen ist ein wichtiger Bestandteil von Bildungsgerechtigkeit.Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU)
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