Landesbischof Bedford-Strom besucht Marine
Samariter im Mittelmeer

Der Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm (rechts) spricht auf der "Werra" mit Korvettenkapitän Mirko Preuß (Zweiter von links) und Fregattenkapitän Torsten Eidam (Dritter von Links). Ganz links steht der evangelische Militärbischof Sigurd Rink. Bild: dpa
Politik BY
Bayern
15.08.2016
22
0

130 deutsche Soldaten sind im Mittelmeer vor der libyschen Küste im Einsatz. Sie sollen Schleuser jagen. Dabei erfüllen sie eine viel wichtigere Aufgabe: Menschen retten und Werte verteidigen, die in der Flüchtlingsdebatte auch in Deutschland bedroht sind.

Cagliari. Rückendeckung für Militäreinsätze seitens der Kirche sind nicht selbstverständlich. Bei der seit 2015 laufenden Operation Sophia im Mittelmeer ist das anders. "Hier wird Flüchtlingen geholfen und gegen skrupellose Schleuser vorgegangen, also gegen Verbrecherbanden. In der Relation halte ich es für richtig", sagt der Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm.

Dabei steht er auf der Brücke des Marinebootes "Werra" im Hafen der italienischen Stadt Cagliari auf Sardinien. Bedford-Strohm findet also viel Gutes an der Mission Sophia, "so umstritten Militäreinsätze und die damit verbundene Gewalt insgesamt auch sind". Leider gebe es Situationen, in denen es keine Alternativen gebe, dies ändere aber nichts daran, dass jede Gewalttat untrennbar mit einer Schuldfrage verbunden sei.

17 500 auf See aufgegriffen


Zwei deutsche Schiffe sind im Mittelmeer unterwegs, neben dem Tender "Werra" auch das Minenjagdboot "Datteln". Die Bundeswehr stellt knapp zehn Prozent der 1400 Einsatzkräfte. 24 europäische Nationen beteiligen sich. Der Bedarf ist groß. Noch immer wählen viele Flüchtlinge den Weg über das Mittelmeer. Von Mai 2015 bis August 2016 wurden fast 17 500 auf hoher See in Not aufgegriffen. Wenn das passiere, und nur dann, werde die "Werra" zu einem "Samariterboot", sagt Bedford-Strohm. Ansonsten gelte: "Man kann keine Waffen segnen."

Für Fregattenkapitän Torsten Eidam ist der Einsatz bei aller Humanität eine Mission, die wie befohlen auszuführen ist. "Der militärische Auftrag ist klar. Aber natürlich geht im Fall der Fälle eine Menschenrettung immer vor", betont er. Ohnehin sei die Rettung von Menschen in Seenot eine Verpflichtung für jeden Seemann, sagt er. Die Mission Sophia sei kein klassischer Kriegseinsatz.

Letztlich verfolge die Mission eher einen "polizeilichen Auftrag", sagen Bedford-Strohm und Eidam. Das sei aber nicht alles. "Es ist ein ganz neuer Verteidigungsauftrag. Es geht um die Verteidigung unserer christlichen Werte", unterstreicht der EKD-Chef. Damit meint er nicht etwa eine Verteidigung gegen vermeintliche Islamisierungen oder andere Gefahren für das Abendland, sondern den Kampf gegen die menschliche Kälte, das Wegsehen und vielleicht sogar das Vergessen der von Christen so gerne zitierten Nächstenliebe. Und die werde - erkennbar in den Debatten über Obergrenzen oder Grenzschließungen im "weit vom Mittelmeer entfernten Deutschland" - gerne vergessen. Doch niemand dürfe vor Leid und Not die Augen verschließen. "Was passiert mit den Menschen, die man aus dem Sichtfeld verdrängt?" Die Politik müsse Lösungen suchen, die Kirchen diese öffentlich einfordern.

"Gemeinsam Agieren"


Denn, letztlich gehe es nicht um Zahlen und Nummern, sondern um Menschen, ja um "Glaubensbrüder". "Der Grund für meine Reise ist es, den Nummern Gesichter zu geben", sagt Bedford-Strohm. Ohne den Einsatz der militärischen und zivilen Helfer im Mittelmeer hätte Europa längst seine "Seele" verloren. Dennoch müsse sich Europa ernsthaft Gedanken um legale Einreisemöglichkeiten für Flüchtlinge machen. Klar sei auch, dass Deutschland die Lasten nicht allein tragen, die Flüchtlinge nicht alleine aufnehmen könne. "Die Länder Europas müssen bei der Bewältigung der Situation gemeinsam agieren", sagt er. Wie das gelingen soll, weiß er aber auch nicht.

Es ist ein ganz neuer Verteidigungsauftrag. Es geht um die Verteidigung unserer christlichen Werte.Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischof und Vorsitzender der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.