Landratsamt fordert von Gemeinde Detailuntersuchung
Altdeponie: Belastung ergründen

Für das Baugebiet Kirchenlaibach Nord-West hat die Gemeinde ein Regenrückhaltebecken bauen lassen, in das von dort Oberflächenwasser abfließt. Da es außerhalb des Bebauungsplanes liegt, fasste der Gemeinderat den Beschluss, die Kosten für die Straßenentwässerung in die Erschließungsbeiträge einzubeziehen. Bild: ak
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Bayern
07.04.2016
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Der eigenen Müllvergangenheit geht die Gemeinde gezwungenermaßen buchstäblich auf den Grund. Festgestellt werden soll, ob die alte Hausmüll- und Bauschuttdeponie in der ehemaligen Sandgrube im Wald bei Plössen Schadenspotenzial für die Umwelt hat.

Speichersdorf. Bürgermeister Manfred Porsch informierte den Gemeinderat am Montag über die vom Landratsamt Bayreuth geforderte Altlastenerkundung für die ehemalige Hausmülldeponie in der Gemarkung Plössen. Die Immissionsschutzabteilung der Rechtsaufsichtsbehörde teilte schriftlich mit, dass die Kommune in den 1970er Jahren eine ehemalige Sandgrube als Mülldeponie nutzte. Zudem wurde diese auch mit Sperrmüll, Bauschutt und Bodenaushub verfüllt. Sie ist als solche im Altlastenkataster nach dem Bodenschutzgesetz erfasst.

Porsch erläuterte, dass 2013 eine historische Erkundung und 2015 eine orientierende Untersuchung am Standort erfolgte. Der Gutachter kam zum Schluss, dass für den Wirkungspfad Boden-Grundwasser Prüfwertüberschreitungen und somit eine Grundwassergefährdung durch Mineralkohlenwasserstoffe und polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe nicht auszuschließen sind. Zudem konnte die Altlastenablagerung mit den bisherigen Untersuchungen nicht vollständig erfasst und abgegrenzt werden. Deshalb fordert das Amt nun eine Detailuntersuchung nach den gesetzlichen Vorgaben.

"Wir waren Betreiber der Hausmülldeponie und sind, obwohl wir nicht Eigentümer des Grundstückes waren und sind, zur Detailuntersuchung verpflichtet. Gleiches gilt auch für später eventuell erforderliche Sanierungs- und Sicherungsmaßnahmen", erläuterte Porsch. Die Behörde fordert deshalb die Gemeinde zur Einleitung einer detaillierten Bodenuntersuchung auf. Das Landratsamt stellte klar, dass die Wirkungspfade Boden-Mensch und Boden-Nutzpflanze für den Standort nicht relevant sind. Sofern Handlungsbedarf festgestellt wird, sind dem Amt Vorschläge zu unterbreiten. Porsch ergänzte, dass die Gemeinde seit Jahren in einen Umweltunterstützungsfonds einzahlt. Sie werde demnach daraus für die Detailuntersuchung und mögliche Sanierungsmaßnahmen Zuschüsse beantragen.

Geplant sind Rammsondenuntersuchungen und Baggerschürfen auf einer Fläche von rund 1100 Quadratmeter bis zu einer Bodentiefe von rund zwei Metern. Besorgniserregende Stoffe wurden bislang nicht gefunden, eine Gefährdung des Grundwassers nicht festgestellt. Vorher wird mit den Grundstückseigentümern die Vorgehensweise besprochen.

Franz Schmidt (FW) wies darauf hin, dass es noch weitere Altdeponien gibt und der finanzielle Eigenanteil bei notwendigen Maßnahmen noch nicht bekannt ist. Rudi Heier (SPD) bat die Gemeinderäte, sich über das Altlastenkataster zu informieren. Einstimmig beschloss das Gremium, Maßnahmen zur Untersuchung des vom Amt als mittel eingeschätzten Gefährdungspotenzials einzuleiten. Ein Sachverständigenbüro wird mit den Aufgaben betraut.

Rückhaltebecken in Beiträge einbeziehenEin weiterer Punkt war die Festlegung des beitragsrechtlichen Erschließungsumfanges über das für das Baugebiet Kirchenlaibach Nord-West gebaute Regenüberlaufbecken. Das Oberflächenwasser aus dem neuen Baugebiet wird über das Becken gedrosselt in den Kirrlohbach eingeleitet. Diese sogenannte Entwässerungssystem-Entscheidung ermöglicht der Gemeinde, die Teilkosten des Beckens für die Straßenentwässerung in die Erschließungsbeiträge der durch die Anlage erschlossenen Beitragspflichtigen einzubeziehen.

Laut Porsch ist ein entsprechender Betrag bereits im Ablösebeitrag für bereits erworbene Grundstücke eingerechnet worden. Die Festlegung ist notwendig, da das Regenrückhaltebecken außerhalb des Geltungsbereiches des Bebauungsplanes und Erschließungsgebietes liegt.

Das für die Regenwassereinleitung in den Vorfluter notwendige Wasserrechtsverfahren läuft bereits. Die Räte fassten einstimmig den entsprechenden Einbeziehungsbeschluss. (ak)
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