Landtags-SPD legt in Kritik an Schulstatistik nach
Zehn Prozent Ausfall

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Bayern
16.06.2016
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München. In der Debatte um den Unterrichtsausfall an bayerischen Schulen hat die SPD im Landtag nachgelegt. Sie präsentierte Zahlen aus der amtlichen Schulstatistik, wonach im Schuljahr 2014/15 über sechs Millionen Stunden nicht planmäßig gehalten wurden. Rund jede zehnte Stunde davon fiel ersatzlos aus, der Rest wurde durch Überstunden der Lehrkräfte oder organisatorische Maßnahmen wie Klassenzusammenlegungen abgedeckt.

"Der Unterrichtsausfall ist wie ein tiefer Krater in der Bildungslandschaft", erklärte SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher. SPD-Bildungssprecher Martin Güll ergänzte, die Staatsregierung spare auf Kosten der Schüler und Lehrer. "Die Gesundheit unserer Lehrkräfte leidet unter der dauernden Mehrarbeit", sagte Güll mit Blick auf die rund 3,5 Millionen Vertretungsstunden allein im vergangenen Schuljahr.

Fast zehn Prozent


Nach den vorgelegten Daten wurden im Durchschnitt aller Schularten etwa acht Prozent aller Unterrichtsstunden nicht planmäßig gehalten. Rund zwei Prozent fielen ersatzlos aus. Am wenigsten waren davon die Grundschulen betroffen, am meisten die Gymnasien und Realschulen. Für die Gymnasien lagen teilweise auch regionale Daten vor. So wurden im Schuljahr 2014/15 an den drei Gymnasien der Stadt Weiden 8,1 Prozent der Stunden nicht planmäßig erteilt, 1,5 Prozent entfielen ersatzlos. An den drei Gymnasien in Amberg lauteten die Vergleichswerte 8,5 und 1,9 Prozent, an den vier Gymnasien im Kreis Schwandorf 9 und 2 Prozent. Güll forderte, zur Verbesserung der Unterrichtsversorgung künftig auf die Streichung der durch den allgemeinen Schülerrückgang freiwerdenden Stellen zu verzichten sowie die mobilen und integrierten Lehrerreserven aufzustocken. Langfristig müsse die Lehrerbildung so umgestaltet werden, dass Lehrer auch an anderen Schularten eingesetzt werden könnten. So sei damit zu rechnen, dass im kommenden Schuljahr rund 3000 Gymnasial- und Realschullehrer keine Anstellung erhielten, während an den Grund- und Mittelschulen der Bedarf nicht gedeckt werden könne. Um den aktuellen Unterrichtsausfall voll ausgleichen zu können, seien nach Gülls Rechnung etwa 6350 Lehrkräfte nötig. Deren Anstellung würde den Freistaat rund 350 Millionen Euro im Jahr kosten.

Kultusminister Ludwig Spaenle erklärte, der Unterricht sei gesichert, das Konzept zur Gewährleistung des Unterrichts mit mobilen Reserven, Aushilfskräften und schulorganisatorischen Maßnahmen habe sich bewährt. Die Forderung der SPD nach mehreren tausend neuen Lehrkräften sei "abgehoben von der Wirklichkeit". Der CSU-Bildungspolitiker Gerhard Waschler warf der SPD "Panikmache" vor. Der komplette Ausfall von Unterrichtsstunden bewege sich mit durchschnittlich 1,6 Prozent auf "konstant niedrigem Niveau".
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