Margot Käßmann plädiert für mehr Lockerheit in der Flüchtlingspolitik
Zunächst einmal Nächstenliebe

Politik BY
Bayern
13.06.2016
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München. Die evangelische Theologin Margot Käßmann fordert eine "lockerere" Flüchtlingspolitik. Wegen bürokratischer Hürden blieben Flüchtlingen vielerorts leerstehende Wohnräume und freie Ausbildungsplätze verwehrt, bemängelte Käßmann bei einem regionalen evangelischen Kirchentag am Wochenende in München. Statt um kreative Lösungen gehe es inzwischen allzu sehr darum, die Zahl der Ankommenden zu verringern. "Das kann nicht das einzige Ziel sein", meinte die Theologin. "Am schlimmsten" findet die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), dass die Flüchtlingskrise "im Namen des Christentums" politisch genutzt werde, "indem Pegida und Co. erklären, sie würden das christliche Abendland verteidigen." Auch die AfD vertrete mitunter "zutiefst unchristliche" Positionen.

Menschen wegen ihrer Herkunft, Hautfarbe oder ihres Glaubens auszuschließen, könne mit dem Christentum nicht in Verbindung gebracht werden. "Das christliche Abendland, wenn es das gibt, ist zuerst durch Barmherzigkeit und Nächstenliebe definiert", so Käßmann.

Die Theologin lobte zugleich das Engagement der Kirchen: "Ich bin jedes Wochenende in einer anderen Kirchengemeinde in Deutschland und kenne keine, die sich nicht engagiert." Im Umgang mit Muslimen ermutigte Käßmann ihre Zuhörer zur "inneren Freiheit" eines Christen, der sagen könne: "Ich habe meine Wahrheit im Glauben gefunden, aber ich respektiere andere, die einen anderen Zugang zu Gott finden. Das ist christlich."
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