Markus Ruckdeschel zeigte Gemeinderäten auf, wo es bei der Energiewende hakt
„Uns läuft die Zeit davon“

Markus Ruckdeschel. Bild: ak
Politik BY
Bayern
29.02.2016
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Auf Bundes- und Landesebene deutet nicht viel auf ein Gelingen der Energiewende hin. Die Energiewirtschaft versucht, sie zum eigenen Vorteil zu verlangsamen. Anders die Gemeinde Speichersdorf, die mit dem vorhandenen Energiekonzept, neuer Motivation und neuen Ideen ihre Ziele verfolgt.

Speichersdorf. In einer dreieinhalbstündigen Arbeitssitzung verschaffte sich der Gemeinderat am Samstagvormittag einen Überblick über die Themen Klimaschutz und Energiewende. Bürgermeister Manfred Porsch hieß dazu Markus Ruckdeschel von der Energieagentur Nordbayern willkommen.

"Wir wollen uns heute für dieses auf allen politischen und gesellschaftlichen Ebenen äußerst wichtige Thema Energiewende neu motivieren", erklärte Porsch vorab. Die Gemeinde habe und werde auch in Zukunft ihren Teil zum Gelingen beitragen. Der Landkreis habe ein Klimaschutz-, die Kommune einen Energienutzungsplan erstellt. In ihnen seien Ziele definiert, die in weitere Projekte umgesetzt werden sollen. Das Gemeindeoberhaupt machte aber deutlich, dass durch den Spottpreis am Ölmarkt das Thema Energiesparen vielfach verdrängt wurde. Die angestrebte große Lösung der kommunalen Bioenergie-GmbH, das gesamte Zentrum von Speichersdorf mit Nahwärme zu versorgen, sei auf eine rein kommunale Lösung eingedampft worden. In diesem Jahr werden über neue Leitungen die Grund- und Mittelschule, Sport-Arena sowie Rathaus mit einer neuen Hackschnitzelheizung zentral mit Wärme versorgt.

Noch großes Potenzial


Mit rund 20 Hektar Freiflächen-Photovoltaikanlagen und fünf Biogasanlagen sei die Kommune bei der Stromgewinnung bereits gut aufgestellt. "Wir haben aber noch großes Potenzial im Bereich regenerativer Energien." So plant die Firma Primus laut Porsch ein Windrad an der Grenze zu Creußen. Die beiden Klimaschutzbeauftragten Rudi Meier und Christian Porsch unterstreichen zudem den kommunalen Willen, den beschrittenen Weg fortzuführen.

"Wir wissen, was für das Erreichen der Ziele der Energiewende zu tun ist, uns läuft aber die Zeit davon. Unsere Generation steht als erste vor dieser Mammutaufgabe, ob wir's bis 2050 schaffen, weiß keiner", erklärte Ruckdeschel. Für jeden sei Energiewende etwas anderes, wobei vielfach das eigentliche Problem aus den Augen verloren werde. Nicht nur Atomausstieg, E-Auto, Strom- und Energiesparen, regenerative Energien seien wichtige Themen, sondern vor allem im Kleinen müsse mit der Energiewende begonnen werden.

Ziel sei, die von der Energiewirtschaft geschaffenen Probleme auf ein Mindestmaß zu verringern und die bisher nicht im Strompreis einbezogenen Kosten in Form von ökologischen, gesellschaftlichen Schäden und Folgekosten einzubeziehen. "Alle Technologien zur Energiewende sind längst da. Alle Kosten sind bei den erneuerbaren Energien eingepreist, jedoch nicht bei den konventionellen." Den Platz an der Spitze beim Ausbau von regenerativen Energien habe Deutschland längst verloren. "Vorreiter waren wir mal", erklärte der Moderator.

China und USA hätten die Bundesrepublik bereits deutlich überholt. Nur beim CO2-Pro-Kopf-Schnitt liege man weiter vorne. Weder das Kyoto-Protokoll 1990 noch der Klimagipfel in Paris mit 2-Grad-Klimaerwärmungsgrenze brachten eine entscheidende Wende bei der Klimaerwärmung. Seit der Wetteraufzeichnung 1880 seien die 15 heißesten Jahre in den vergangene 18 Jahren gemessen worden. Derzeit werde Energie zu 12,6 Prozent durch erneuerbare Energien, rund 33 Prozent per Erdöl, 21 Prozent durch Erdgas und 25 Prozent durch Kohle, erzeugt.

Durch die neuen Energiegesetze 2012 und 2014 sei der Ausbau der erneuerbaren Energien im Rückgang; viele Photovoltaikfirmen gingen Pleite. Sie bevorzugten die Stromriesen und benachteiligten kleine Energieerzeuger. Deshalb verlangsame sich der Umstieg auf regenerative Energien, die Klimaschutzziele seien mit der aktuellen Politik kaum noch erreichbar.

Strom selber machen


Perspektiven bieten laut Ruckdeschel das "Kraftwerk des kleinen Mannes", das mit Stromspeichern Energie aus Photovoltaik als Haus- und Ladestrom für E-Mobilität nutzt. "Strom selber machen ist die Devise, obwohl dies als unattraktiv trotz vorhandener Speichertechnologie propagiert wird. Wir müssen in unseren Kommunen selbst wieder Fahrt aufnehmen. Die Welt baut weiter auf Photovoltaik, wir leider nicht, obwohl sie wirtschaftlich ist", erläuterte der Moderator.

Zur Situation vor Ort verdeutlichte er, dass Aufklärung und Beratung der Bürger, kommunale Maßnahmen im Bereich Nahwärme sowie Energiesparen und E-Mobilität zu den wichtigsten Aufgaben gehören.
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