Mitglieder der VR-Bank Fichtelgebirge dürfen sich freuen
Zwei Prozent Dividende

Johannes Herzog (links) und Christian Mandel sind mit der Entwicklung ihres Instituts zufrieden, doch mit der Politik und der Europäischen Zentralbank hadern die Chefs gewaltig. Bild: fph
Politik BY
Bayern
16.04.2016
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Die VR-Bank Fichtelgebirge blickt zufrieden auf das vergangene Geschäftsjahr zurück. Die Chefs beklagen jedoch immer neue Regularien. Die betreffen auch die Bürger.

Marktredwitz. Mitglieder der VR-Bank Fichtelgebirge können sich auf eine Ausschüttung freuen. Vorstand und Aufsichtsrat werden der Vertreterversammlung - wie im Vorjahr - eine Dividende in Höhe von zwei Prozent vorschlagen. Das gab Johannes Herzog, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Fichtelgebirge, bei der Bilanz-Pressekonferenz bekannt. "Das ist im derzeitigen Marktumfeld sehr ordentlich", sagte Herzog und verwies auf die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die sowohl Banken als auch Sparer belaste.


Gerade als sicher eingestufte Papiere werfen häufig gar nichts mehr ab - im Gegenteil: Die Großbank JP Morgan Chase schätzt das Volumen der Staatsanleihen mit negativen Renditen weltweit auf 5,9 Billionen Dollar. Herzog und Vorstandskollege Christian Mandel zogen ein positives Fazit zum Geschäftsjahr 2015. "Wir haben ein ausgesprochen respektables Ergebnis erzielt", betonte Herzog. Das Betriebsergebnis vor Bewertung liege mit drei Millionen Euro fast auf Vorjahresniveau.
Die Kreditnachfrage sei rege gewesen.


Den bilanziellen Rückgang auf der Einlagenseite führte der Vorstandschef wesentlich auf die Konsumfreude und die Investitionsbereitschaft der Kunden und Mitglieder zurück. Wegen der mickrigen Zinsen wählten die Kunden nach den Worten Herzogs jedoch verstärkt Anlageformen wie Fonds, Aktien oder Versicherungen, so dass das sogenannte betreute Anlagevolumen, das auch die außerbilanziellen Positionen erfasst, um mehr als 2,3 Millionen Euro stieg.

"Wir werden das gute Ergebnis des vergangenen Jahres dazu nutzen, um unsere Eigenkapitalbasis zu stärken", kündigte Herzog an. 1,7 Millionen Euro fließen deshalb in die Rücklagen. Sinnvoll sei die Kooperation mit der Raiffeisenbank Berg-Bad Steben. Besonders im Genossenschaftssektor werde der Fusionsdruck immer größer, klagte er. Maßgeblich mitverantwortlich dafür machte er die ultralockere Geldpolitik der EZB. "Die chronischen Niedrigzinsen fressen sich immer tiefer in die Margen der Banken und zwingen sie zu einem Sparkurs", polterte Herzog. Hinzu kämen immer neue Vorschriften von der Bankenaufsicht, die den Verwaltungsaufwand anwachsen ließen. Dieser Zangengriff sei gerade für die kleinen Regionalbanken schwerer zu ertragen als für große Institute.

Dauerhafte Verschiebungen


Finanzkrise, unkonventionelle Notenbank-Interventionen und eine schier endlose Regulierungs-Offensive - "die Veränderungen der vergangenen Jahre werden für dauerhafte tektonische Verschiebungen in der Bankenlandschaft sorgen", befürchtete Herzog. Vorstandskollege Christian Mandel sprach von einer erfolgreichen Digitalisierungs-Offensive der VR-Bank Fichtelgebirge, die aktuell 90 Mitarbeiter beschäftigt. Digitale Angebote - etwa die VR-Banking-App - würden immer stärker genutzt. (Info-Kästen)

Wichtige ZahlenNachfolgend wichtige Kennzahlen der VR-Bank Fichtelgebirge:

Kundengelder: 262,8 Millionen Euro (-5,4 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr)

Betreutes Kundenanlagevolumen: 451,8 Millionen Euro (+2,3 Millionen Euro)

Betreutes Kundenkreditvolumen: 251,7 Millionen Euro (+3,9 Millionen Euro)

Ausleihungen: 197 Millionen Euro (+5 Millionen Euro)

Kernkapitalquote: 18 Prozent (15,8)


Kritik an der PolitikHart ins Gericht ging Bankvorstand Christian Mandel bei der Pressekonferenz mit der Politik in Berlin und Brüssel. Beim Schutz von Privatleuten vor Überschuldung seien die Gesetzgeber "wieder einmal über das Ziel hinausgeschossen". Anders als bisher dürften Finanzinstitute bei der Kreditvergabe für Immobilien nicht mehr hauptsächlich auf die Werthaltigkeit der grundpfandrechtlichen Sicherheit des finanzierten oder belasteten Grundstücks abstellen. Entscheidend seien das laufende Einkommen und frei verfügbares Vermögen.

Im Ergebnis - so schildert es Mandel - verlören Verbraucher mit Vermögen und geringen laufenden Einnahmen ihre Kreditwürdigkeit. Denn Banken dürften sich bei der Bonitätsprüfung nicht mehr maßgeblich darauf stützen, dass der Wert der Immobilie den Kreditbetrag übersteigt. Ebenso zähle es nicht mehr als Hauptargument, dass im Regelfall der Wert der Immobilie zunimmt. "Doch wenn Verbraucher ihr Haus oder ihre Wohnung nicht mehr zur Kreditrückführung einbringen können, wird Grund- und Immobilienvermögen faktisch entwertet", monierte Mandel. Denn das Eigentum sei - abgesehen vom Verkauf - nicht mehr als Wirtschaftsgut nutzbar.

Der Bürger werde bei der Verfügung über sein Vermögen bevormundet, kritisierte Mandel. Der Bundesgesetzgeber habe das Problem sogar verschärft, indem er EU-Vorgaben "in vorauseilendem Gehorsam" übererfüllt habe. "Die EU-Richtlinie erlaubt Banken, von der rigiden Bonitätsprüfung abzuweichen, wenn der Kreditvertrag zum Bau oder zur Renovierung der belasteten Wohnimmobilien dient. Diese Option wurde bei der nationalen Umsetzung gestrichen." Das treffe besonders ältere Bürger, die trotz kleiner Rente das eigene Haus altersgerecht umbauen wollen. Mandel warf der Politik vor, Gesetze nicht gründlich zu durchdenken und deren negative Auswirkungen auf die sogenannten Normalbürger völlig zu verkennen. (fph)
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