Mord konnte nicht nachgewiesen werden [Aktualisiert]
Freispruch im Babymord-Prozess

Bild: Symbolbild
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Bayern
26.11.2014
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[Aktualisierung, 11.23 Uhr] Im Prozess um den Tod ihrer zwei Babys ist die angeklagte Mutter aus Oberfranken freigesprochen worden.
Das Landgericht Hof kam am Mittwoch zu dem Urteil, dass ihr die beiden vorgeworfenen Morde vor mehr als 25 Jahren nicht mehr nachgewiesen werden können. Die Staatsanwaltschaft hatte die 53-Jährige angeklagt, sie habe die zwei Säuglinge in den 1980er Jahren nach Hausgeburten unversorgt sterben lassen. Die Leichen waren vor einem Jahr zufällig bei Bauarbeiten entdeckt worden. Die Angeklagte hatte vor Gericht geschwiegen.
In seiner Urteilsbegründung sagte der Vorsitzende Richter Matthias Burghardt, dass das Gericht Totschlag in zwei Fällen als erwiesen ansieht. Doch Totschlag ist bereits verjährt. Die Angeklagte hatte seit Prozessbeginn vor Gericht geschwiegen.

Das Gericht folgte mit seinem Freispruch der Forderung des Verteidigers der Frau. Die Staatsanwaltschaft hatte acht Jahre Haft wegen Mordes gefordert.

Chronologie des Falles

1985: Wann das Mädchen und der Bub zur Welt kamen - es handelt sich nicht um Zwillinge -, ist laut Staatsanwaltschaft nicht mehr feststellbar. Irgendwann zwischen 1985 und 1988.

23. Oktober 2013: Zufälliger Fund der stark verwesten Babyleichen bei Erdarbeiten in Bad Alexandersbad.

20. November 2013: Verhaftung der Mutter am Flughafen München.

21. November 2013: Das Amtsgericht Hof erlässt Haftbefehl.

6. August 2014: Die Staatsanwaltschaft Hof erhebt Mordanklage.

7. August 2014: Der Verteidiger beantragt beim Landgericht Hof, die Anklage nicht zur Verhandlung zuzulassen. Die Rechtsmedizin könne nicht belegen, dass die Kinder bei der Geburt gelebt hätten.

27. August 2014: Die Anklage wird zur Hauptverhandlung zugelassen.

11. September 2014: Erstmals in der Geschichte des Landgerichts Hof wird wegen des großen Interesses an dem Fall ein aufwendiges Akkreditierungsverfahren für Medienvertreter durchgeführt.

29. Oktober 2014: Prozessbeginn. Die Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen.

21. November 2014: Die Staatsanwaltschaft plädiert auf acht Jahre Haft wegen Mordes, die Verteidigung auf Freispruch.

26. November 2014: Die Frau wird freigesprochen: Mord sei ihr nicht nachzuweisen, nur Totschlag, urteilt die Strafkammer. Aber der ist verjährt.
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