Nach dem Zugunglück von Bad Aibling
Gedrückte Stimmung im Verkehrsausschuss des Bayerischen Landtags

Politik BY
Bayern
18.02.2016
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Im sonst oft überdreht hektischen Landtag herrscht für zwei Stunden bedrückte Stimmung. Im Verkehrsausschuss berichten Bahnexperten über das Zugunglück von Bad Aibling. Die Beklemmung ist immer noch zu spüren.

München. Die Ursachen des Unglücks sind noch nicht restlos geklärt sind. Klar scheint nur: Menschliches Versagen hat zu der Katastrophe geführt. Die drängenden Fragen nach Wie und Warum sind aber weiter offen. Antworten konnten am Donnerstag auch der Leiter der Verkehrsabteilung im Innenministerium, Hans-Peter Böhner, der DB-Konzernbeauftragte für Bayern, Klaus-Dieter Josel, und der Geschäftsführer der Bayerischen Oberlandbahn, Bernd Rosenbusch, den Abgeordneten nicht geben. Sie wirken noch immer ein wenig ratlos, weil bei Bad Aibling passiert ist, was eigentlich nicht hätte passieren dürfen.

Man müsse für eine endgültige Bewertung die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und der Eisenbahn-Unfalluntersuchungsstelle abwarten. Einmütig verweisen sie aber auf Statistiken, wonach eine eingleisige Strecke nicht unsicherer sei als eine zweigleisige. Das Risiko, im Zug ums Leben zu kommen, sei 63 Mal geringer als im Auto, erklärt Böhner. Aber absolute Sicherheit gebe es nirgends.

Bessere Kommunikation


Als "nicht wirklich zufriedenstellend" bezeichnet die CSU-Abgeordnete Christine Haderthauer die Aussagen der Experten in beinahe oppositioneller Schärfe. Sie könne sich nicht vorstellen, dass nach diesen Berichten Fahrgäste angstfrei auf einer eingleisigen Strecke unterwegs seien. "Dass eine Fahrlässigkeit genügt, um so eine Katastrophe auszulösen - das hat mich bis ins Mark erschrocken", sagt sie. Kein Politiker in Zweifel, dass der Mensch trotz Bad Aibling weiter die Möglichkeit haben müsse, im Einzelfall in die automatisierte Sicherheitstechnik einzugreifen. Dies sei bei Signalstörungen oder dem Bergen liegengebliebener Züge unbedingt erforderlich, erklärt CSU-Verkehrsexperte Eberhard Rotter. Man müsse aber darüber nachdenken, die Kommunikation zwischen Fahrdienstleiter und Zugführern zu verbessern, wenn die Technik manuell übergangen werde. So sieht das auch Rotters SPD-Kollege Bernhard Roos: "Wenn von der Norm abgewichen wird, muss jeder Lokführer darüber Bescheid wissen."

Radar im Triebkopf


Der Grüne Markus Ganserer nimmt das Regelwerk als solches ins Visier. Womöglich brauche es da Präzisierungen, lasse sich eine "weitere Brandmauer einziehen, um solche Unfälle zu vermeiden". Thorsten Glauber (Freie Wähler) bringt ein Radarsystem im Triebkopf der Züge ins Gespräch, das Züge auf Kollisionskurs automatisch stoppen könnte. In Verkehrsflugzeugen seien solche Einrichtungen Standard.

Man werde das Geschehen nach der Vorlage weiterer Erkenntnisse aufarbeiten, es bestehe jedoch "kein Grund für Aktionismus", erklärt Böhner. Die Unglücksstrecke bei Bad Aibling soll morgen wieder für den Bahnverkehr freigegeben werden.
Dass eine Fahrlässigkeit genügt, um so eine Katastrophe auszulösen - das hat mich bis ins Mark erschrocken.Christine Haderthauer (CSU)
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