Neue Hinweise nach Anschlag von Ansbach
Rätsel um Hintermann

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Bayern
28.07.2016
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Nach dem Selbstmord-Anschlag von Ansbach geht es nun um die politischen Folgen. An diesem Donnerstag will sich Kanzlerin Merkel erstmals ausführlich äußern. Zugleich gibt es neue Hinweise auf einen möglichen Hintermann.

Ansbach/Berlin. (dpa/epd) Der Selbstmordattentäter von Ansbach hat nach Angaben von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) möglicherweise direkt vor dem Anschlag Anweisungen erhalten. Am Rande der Kabinettsklausur in Gmund am Tegernsee sagte Herrmann am Mittwoch laut seinem Sprecher, dass es "offensichtlich einen unmittelbaren Kontakt mit jemandem gegeben, der maßgeblich auf dieses Attentatsgeschehen Einfluss genommen hat". Bei der Mobiltelefon-Auswertung des Täters seien die Ermittler auf einen Chatverlauf gestoßen, der unmittelbar vor dem Attentat ende. Unklar blieb, ob dieser Hintermann tatsächlich in Verbindung mit der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) steht. Die Gruppe hat den ersten Selbstmordanschlag auf deutschem Boden für sich reklamiert.

Die politische Diskussion über die Konsequenzen der jüngsten Anschläge in Deutschland auf die Flüchtlingspolitik nahm weiter an Fahrt auf. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird dazu an diesem Donnerstag in Berlin erstmals ausführlich Stellung beziehen. Die CDU-Vorsitzende unterbricht eigens dafür ihren Sommerurlaub.

Unterdessen wurden weitere Ermittlungsergebnisse bekannt. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) teilte mit, dass der Ansbach-Attentäter bis kurz vor dem Anschlag "intensiven" Kontakt mit jemandem gehabt habe, "der maßgeblich auf dieses Attentatsgeschehen Einfluss genommen hat". Ob der Gesprächspartner vom IS kam und wo er sich aufhielt, konnte Herrmann nicht sagen. Nach Angaben der Terrormiliz war der Attentäter schon seit mehreren Jahren IS-Mitglied. In der aktuellen Ausgabe eines wöchentlichen Rundschreibens veröffentlichte der IS einen Nachruf. Darin wurde auch behauptet, dass der 27-Jährige vor dem Anschlag in engem Kontakt mit einem IS-"Soldaten" gestanden habe. Die Zuverlässigkeit der Angaben konnte zunächst nicht verifiziert werden.

Rätsel über Geldscheine


Herrmann bestätigte aber, dass bei dem abgelehnten Asylbewerber eine Rolle von 50-Euro-Scheinen gefunden wurde. Unklar blieb, woher er das viele Geld hatte. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" gibt es Hinweise darauf, dass der Mann gezielt vom IS nach Deutschland geschickt wurde. Bei dem Selbstmord-Attentäter hatte ein psychologischer Gutachter schon Anfang 2015 einen aufsehenerregenden Suizid für möglich gehalten.

Der Syrer hatte sich am Sonntagabend im fränkischen Ansbach mit einer Bombe in die Luft gesprengt. Dabei wurden 15 Menschen verletzt. Wenige Tage zuvor war ein 17-Jähriger in einer Regionalbahn bei Würzburg auf Fahrgäste losgegangen.

Amnesty warnt


Amnesty International warnte davor, straffällige Flüchtlinge in Konfliktgebiete abzuschieben. "Kein Mensch darf in ein Land abgeschoben werden, in dem sein Leben oder seine Freiheit gefährdet sind", sagte die Asyl-Expertin Andrea Berg der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Strafen für TrittbrettfahrerNach dem Amoklauf von München mit zehn Toten hat die Regensburger Polizei einen Trittbrettfahrer ermittelt. "Solche Aktionen bleiben nicht folgenlos und ziehen auf jeden Fall Sanktionen nach sich", sagte am Mittwoch Theo Ziegler von der Regensburger Staatsanwaltschaft.

Im Raum Regensburg wurde eine jugendliche Person ermittelt, die für einen Facebook-Beitrag verantwortlich war, der dem des Münchener Amokläufers ähnelte. Der Münchner Amokläufer hatte vor seiner Bluttat in einem Fake-Account bei Facebook angekündigt, dass er in einem Schnellrestaurant eine Runde spendieren werde. Einzelheiten zum Trittbrettfahrer im Raum Regensburg machte die Staatsanwaltschaft nicht. "Die bereits strafmündige, aber noch minderjährige Person hat beteuert, ohne böse Absicht gehandelt zu haben. Eine tatsächliche Gefahr für Leib und Leben bestand mit Sicherheit zu keinem Zeitpunkt", erläuterte Ziegler.

Als Sanktionen käme neben gemeinnütziger Arbeit auch die Weisung zu Beratungsgesprächen mit dem Jugendamt in Frage. Ob Trittbrettfahrer auch die Kosten eines Polizeieinsatzes zahlen müssen, sei nicht Angelegenheit der Staatsanwaltschaft, sondern der Polizei, betonte Ziegler. (dpa)
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