NSU-Prozess
Illegale Beschäftigung

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Bayern
08.04.2016
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Zwei mutmaßliche NSU-Mitglieder sollen für Firmen eines V-Mannes gearbeitet haben, der für den Bundesverfassungsschutz tätig war: Beate Zschäpe und Uwe Mundlos. Dennoch blieb die Fahndung ohne Erfolg. Warum?

München. "Schwer erträglich" für die Mordopfer - so wertet der Münchener Rechtsanwalt Yavuz Narin, Nebenkläger im NSU-Prozess, die jüngsten Enthüllungen. Demnach könnte ein V-Mann des Verfassungsschutzes zweien der im Untergrund lebenden NSU-Terroristen in seinen Firmen beschäftigt haben: Uwe Mundlos und Beate Zschäpe.

Der V-Mann heißt Ralf Marschner, Deckname "Primus". Einigen Journalisten gilt er seit Jahren als wichtige Figur im Umfeld des NSU. Ein früherer Kompagnon Marschners erinnert sich, er habe dessen Laden "Heaven and Hell" finanziert. Frage an den Kompagnon: "Kannten Sie die Mitarbeiterinnen, die dort arbeiteten?" Selbstbewusste Antwort: "Ja, alle." Nachfrage: "War eine von ihnen Beate Zschäpe?" Antwort: "Darauf antworte ich nicht am Telefon." Und dann, gleich darauf: "Ich habe nicht nein gesagt". Und dann schließlich: "Ich hätte ja auch nein sagen können." Also ja? Das würde zu einem Aktenfundstück passen. Es betrifft die Vernehmung eines anderen Zwickauer Neonazis im Februar 2012, ebenfalls ein früherer Geschäftspartner Marschners.

Eine müsste es genau wissen - Beate Zschäpe. Ihr Anwalt Mathias Grasel antwortet, er wolle die Information "weder bestätigen noch dementieren". Auch beim Bundesverfassungsschutz müsste derartiges bekannt sein. Dort antwortet eine Sprecherin nur, es gebe dazu "keine Erkenntnisse" - dieselbe Antwort wie auf die Frage, ob auch Uwe Mundlos für Marschner arbeitete. Das, so berichtet die "Welt", soll in den Jahren 2000 bis 2002 der Fall gewesen sein. Mundlos sei unter seiner Tarnidentität "Max Florian Burckhardt" von Marschner als Bauleiter eingesetzt worden, brisanterweise auf Baustellen in Nürnberg und München.

"Der Ball liegt jetzt bei der Bundesanwaltschaft, beim Bundesamt für Verfassungsschutz, beim Bundesinnenministerium und bei der Bundeskanzlerin", sagt Nebenklage-Anwalt Narin. Sein Kollege Daimagüler erinnert an das Versprechen der Bundeskanzlerin nach "voller Aufklärung" und sagt zugleich: "Jetzt versteht man die Aktion Konfetti". So wird das Aktenschreddern im Bundesamt für Verfassungsschutz genannt, bei dem ausgerechnet Unterlagen über "Primus" alias Ralf Marschner vernichtet wurden. Marschner war 2013 als V-Mann aufgeflogen. Nach Stationen in Irland und Österreich landete er in der Schweiz, wo er bis heute lebt, und Liechtenstein, wo er arbeitet. In Vernehmungen bestritt er, die Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe gekannt zu haben.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz soll Marschner 2002 abgeschaltet haben. Was das Bundesamt für Verfassungsschutz über sein neues Leben im Ausland weiß und ob es ihm beim Neustart half, gehört auch zu den Dingen, über die die Behörde nicht sprechen will. Es ist genau diese Art des Schweigens, die die Sache für die Mordopfer so schwer erträglich macht.
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