Plan für die Liebe

Gläubige füllten am Samstagabend den Petersplatz und beteten vor dem Auftakt der außerordentlichen Bischofssynode. Bild: dpa
Politik BY
Bayern
06.10.2014
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Bischöfe aus aller Welt sind nach Rom gekommen und wollen über heikle Themen für die katholische Kirche sprechen. Beschlüsse werden zwar nicht erwartet. Doch der Papst wünscht sich eine offene Diskussion.

Im Vatikan hat die mit Spannung erwartete Weltbischofssynode zum Thema Ehe und Familie begonnen. Mit einem festlichen Gottesdienst im Petersdom eröffnete Papst Franziskus am Sonntag die Versammlung von 191 Bischöfen aus aller Welt. Bis 19. Oktober beraten sie mit dem Papst darüber, wie die Kirche auf die veränderte Lebenswirklichkeit vieler Katholiken reagieren soll. Aus Deutschland nimmt unter anderem der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, teil. Als Expertin ist die Berliner Eheberaterin Ute Eberl eingeladen.

"Um Familie kümmern"

In seiner Eröffnungspredigt warnte Franziskus die Bischöfe davor, sich in einer eitlen Debatte über wirklichkeitsfremde Vorschläge zu verlieren. Solche Versammlungen seien nicht dazu da, "schöne und originelle Ideen zu diskutieren oder zu sehen, wer intelligenter ist", sagte der Papst. Es gehe darum, sich "um die Familie zu kümmern" und an Gottes "Plan der Liebe für sein Volk mitzuarbeiten". Zugleich machte der Papst deutlich, dass die geltende kirchliche Lehre hierbei nicht das alleinige Kriterium sein dürfe. Der Geist schenke eine Weisheit, "die über die Lehre hinausgeht, um großherzig in wahrer Freiheit und demütiger Kreativität zu arbeiten".

Die Weltbischofssynode berät etwa über den Umgang mit Patchwork-Familien, wiederverheirateten Geschiedenen, gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften, Paaren ohne Trauschein und über die Sexualmoral. Grundlage ist ein Arbeitspapier, das aus den Rückmeldungen auf die vatikanische Umfrage zu Familie, Ehe und Sexualität erstellt wurde. Die Synode soll eine größere Versammlung vorbereiten, die im Herbst 2015 zum selben Thema vorgesehen ist.

Von der Bischofssynode soll nach den Worten von Kardinal Marx eine "starke Ermutigung" für Ehe und Familie ausgehen. Sie seien schließlich die Fundamente des Miteinanders. "Nichts und niemand kann Familie und Ehe ersetzen", sagte Marx am Sonntag in Freising. Die Umfrage aus Anlass der Synode habe gezeigt, dass eine Mehrheit der jungen Menschen sich Ehe und Familie wünschten, "eine Treuebeziehung, eine Offenheit für das Leben, eine Familie, wo ein Jawort ein Jawort ist, wo man sich aufeinander verlässt über die Generationen hinweg".

Marx: nicht richten

Die Kirche wisse durchaus um die "Zerbrechlichkeit von Beziehungen", betonte der Kardinal. "Darüber wird in der Synode gesprochen werden: Wie gehen wir mit dem um, was nicht gelingt, wo das Ziel nicht erreicht wird?" Wo menschliche Beziehungen nicht mehr weitergingen, passiere etwas, worüber die Kirche nicht zu richten habe. Auch das werde eine Botschaft der Synode sein. Es gehe nicht darum, Menschen zu verurteilen, sondern darum, "barmherzig allen Menschen, besonders denen, die verwundet sind, die krank sind, deren Beziehung zerbrochen ist, die darunter sehr leiden, beizustehen." (Kommentar)
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