Politischer Aschermittwoch abgesagt
Trauer statt Tamtam

Die Bänke werden am Mittwoch nicht nur bei der CSU in Passau leer bleiben. Archivbild: dpa
Politik BY
Bayern
10.02.2016
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Die Parteien sagen wegen des Zugunglücks in Oberbayern ihre Aschermittwochskundgebungen im gesamten Freistaat ab. Der Respekt vor den Opfern erscheint den Politikern wichtiger als große Reden.

München. (dpa/dko) Der Politische Aschermittwoch in Bayern fällt wegen des Zugunglücks von Bad Aibling erstmals aus. CSU, SPD, Grüne, FDP, Freie Wähler und Linke sagten am Dienstag ihre Kundgebungen ab. Auch die AfD strich ihre geplante Veranstaltung, hieß es auf der Homepage der AfD-Bayern. Auch der in Mecklenburg-Vorpommern geplante Politische Aschermittwoch der CDU mit Bundeskanzlerin Angela Merkel fällt aus, ebenso der Auftritt von SPD-Chef Sigmar Gabriel in Mainz.

Parteiübergreifende Begründung der Absagen war der Respekt vor den Opfern. CSU-Chef Horst Seehofer will heute die Unglücksstelle besuchen und mit den Rettungskräften sprechen. "Bayern hat ein Wir-Gefühl, das wir als CSU politisch verkörpern", sagte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer in Passau. "Diesem Wir-Gefühl tragen wir Rechnung." Parteichef Seehofer habe die Entscheidung getroffen. "Dieses Zugunglück ist noch so frisch in unseren Köpfen, dass wir die politische Verantwortung übernehmen und diese Veranstaltung absagen", sagte Scheuer. "Wir nehmen Anteil, wir sind in Gedanken bei den Opfern.

Der SPD-Landesvorsitzende Florian Pronold sagte am Dienstag: "Der Politische Aschermittwoch lebt von der Auseinandersetzung und dem Schlagabtausch der Parteien. Dafür ist heute und morgen kein Raum. Wir empfehlen unseren Parteigliederungen, diesem Beispiel zu folgen." Auch die Grünen sagten ab, betonten aber, das habe mit der CSU-Entscheidung nichts zu tun. "Die Gespräche fanden bereits mittags statt", sagte die Sprecherin des Landesverbandes Bayern, Daniela Wüst.

Schwartz: "Vertretbar"


Auch in der Oberpfalz wurden die meisten Kundgebungen abgesagt. An einigen Orten findet der Politische Aschermittwoch aber statt - allerdings ohne Redebeiträge. Der Amberger Landtagsabgeordnete Harald Schwartz (CSU) hält die Absage für "vertretbar". Der Aschermittwoch der CSU werde seit vielen Jahren auf eine bestimmte Art und Weise ausgerichtet. Das passe nicht mit den dramatischen Ereignissen zusammen. Heute ist der Abgeordnete im Landkreis Neumarkt als Redner gebucht. "Ich bin noch nicht sicher, wie es ablaufen wird. Ich richte mich nach der Organisation."

Schindler: "Differenzieren"


Der Schwandorfer Landtagsabgeordnete Franz Schindler (SPD) findet es verständlich, wenn landesweite Veranstaltungen am Aschermittwoch abgesagt werden. Ansonsten könne man aber differenzieren: "Ohne jetzt pietätlos zu sein: Ich meine aber, dass man die kleinen Veranstaltungen durchführen kann", sagt Schindler. Man könne zum Beispiel eine Gedenkminute oder dergleichen für die Opfer machen. Es seien allein von der SPD in der Oberpfalz immerhin zehn Veranstaltungen geplant. "Ich richte mich da nach den örtlichen Gegebenheiten", sagt Schindler.

Der Politische Aschermittwoch in Bayern zählt zu den traditionsreichsten Terminen im Freistaat. Größte Kundgebung ist seit Jahrzehnten die CSU-Veranstaltung in Passau, die nach Scheuers Angaben noch nie abgesagt wurde. (Angemerkt)

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