Protest gegen verbot halbautomatischer Waffen
Jäger schießen zurück

Ein höchstrichterliches Verbot halbautomatischer Jagdgewehre versetzt Bayerns Jäger in Aufruhr. Bild: dpa
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Bayern
28.04.2016
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Im März gab es eine gute Nachricht für Wildschweine: Jäger dürfen keine halbautomatischen Waffen mit mehr als zwei Schuss verwenden. Doch das soll nicht das letzte Wort sein. Der Landtag nimmt sich der empörten Jäger an.

München. Ein höchstrichterliches Verbot halbautomatischer Jagdgewehre versetzt Bayerns Jäger in Aufruhr - nun wollen Landtag und Staatsregierung helfen. Die Staatsregierung soll sich in Berlin dafür stark machen, den Jägern wie bisher die Pirsch mit halbautomatischen Gewehren zu erlauben, wenn sie kleine Magazine mit nicht mehr als zwei Patronen verwenden. Das beschloss der Innenausschuss des Landtags am Mittwoch einstimmig.

Wildschweine zu flink


"Wir wollen den Jägern Rechtssicherheit geben", sagte der Ausschussvorsitzende Florian Herrmann (CSU) nach der Sitzung. Das Bundesverwaltungsgericht hatte am 7. März halbautomatische Waffen verboten, die mehr als zwei Patronen aufnehmen können. "Das wäre ein großer Rückschlag für die Wildschweinbejagung", sagte Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger, der selbst ein passionierter Jäger ist.

Die flinken Sauen sind schwer zu treffen, so dass nach Auskunft von Jägern häufig schnelle Schüsse hintereinander notwendig sind. Die Jäger stehen unter Druck von Bauern und Politik, weil die Wildschweine sich rasant vermehren und Felder, Weinreben und Gärten verwüsten.

Zwei-Patronen-Regel


Halbautomatische Waffen können je nach Modell auch mit größeren Magazinen ausgerüstet werden. Es gab jedoch in der Praxis nach Angaben sachkundiger Abgeordneter bislang keine Probleme mit der sogenannten Zwei-Patronen-Regel. Im Jagdgesetz des Bundes ist diese festgeschrieben. Die Freien Wähler möchten die Jagdgesetze in Bund und Land so ändern lassen, dass die bisherige Praxis ausdrücklich erlaubt bleibt. Die CSU hält eine Änderung des Bundesjagdgesetzes für nicht nötig. "Der Richter hat das Gesetz überinterpretiert", meint Aiwanger. Es müsse gesetzlich klargestellt werden, dass halbautomatische Waffen weiter erlaubt seien.

"Depperter Jäger"


Besonders bitter für die Jäger: Schuld an dem Urteil war ein Waidmannskollege aus Nordrhein-Westfalen, der eigentlich das Gegenteil erreichen wollte. Der Mann wollte für Schießübungen auch größere Magazine mit mehr als zwei Patronen verwenden. Der Prozess ging bis in die höchste Instanz beim Bundesverwaltungsgericht - dort verlor der Kläger. Im Innenausschuss fanden Abgeordnete dazu wenig schmeichelhafte Worte: "ein depperter Jäger", hieß es parteiübergreifend.

Fachleute verweisen darauf, dass ein Jäger ohnehin kein Interesse haben kann, die Wildsauen mit einem Kugelhagel zu durchsieben - das Schwein wäre anschließend ungenießbar. Der Bayerische Jagdverband rät seinen Mitgliedern, halbautomatische Gewehre nicht mehr zu verwenden und keine neuen zu kaufen.
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