Seehofer bleibt im Flüchtlingsstreit hart
Neue Zentrale, alte Probleme

Die gesellschaftliche und politische Stabilität unseres Landes steht auf dem Prüfstand.
Politik BY
Bayern
25.01.2016
102
0
 
Der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber strahlt vor der neuen CSU-Landesleitung. Bild: dpa

Der CSU-Vorstand tagte am Montag erstmals in der neuen Zentrale. Eine neue Umgebung, aber die Probleme bleiben die Alten.

München. Die Raute ist weg. Und der schwungvolle Unterstrich unter dem Parteinamen auch. Kaum anzunehmen, dass die seit Jahrzehnten gültigen Erkennungszeichen der CSU beim Umzug so einfach verloren gegangen sind. Nein, mit der neuen Parteizentrale im Norden Schwabings hat die CSU nicht nur den alten, grauen und dunklen Hinterhofkasten gegen ein modernes, helles und großzügiges Haus eingetauscht, sie hat auch ihr Erscheinungsbild aufgehübscht.

Von der Serviette bis zu den Stellwänden, überall prangt nun als Logo eine luftige Zeichnung der Fassade des "neuen Vereinsheims der CSU" - auch wenn das beim ersten Blick so ausschaut wie ein zerzauster Tannenbaum bei Windstärke 10. Es gibt sogar Bleistifte mit fingernagelgroßen CSU-Fähnchen im völlig neuen Design.

Work-Life-Balance"


In diesem Ambiente also, auf 4000 Quadratmetern über vier Etagen verteilt, direkt an der Schnittstelle von A9 und Mittlerem Ring gelegen, ist von nun an die CSU-Landesleitung untergebracht. Noch ist nicht alles ganz fertig, aber Hausherr Horst Seehofer schwärmt schon von der neuen Atmosphäre. Der übersichtliche Tagungssaal gefällt ihm, weil er bei Vorstandssitzungen seine Schäfchen besser im Auge hat. Oben im 4. Stock hat er sein Vorsitzendenbüro mit Blick auf das BMW-Hochhaus und den Olympiaturm. Vor allem aber betont er, dass er von zu Hause in Ingolstadt nur 45 Minuten in die neue Parteizentrale braucht. Die "Work-Life-Balance" verbessert sich also für den CSU-Chef.

Seine Gesamtstimmung aber ist so gedrückt wie zuletzt. Denn "das" Thema ist mit umgezogen in die Mies-van-der-Rohe-Straße 1. Über drei Stunden hat der CSU-Vorstand einmal mehr über Zuwanderung und innere Sicherheit debattiert, die Analyse ist am Ende dieselbe wie in den Vorwochen. Ohne eine Kehrtwende von Kanzlerin Angela Merkel wird es keine Lösung der Probleme geben, da ist sich die CSU sicher. "Die gesellschaftliche und politische Stabilität unseres Landes steht auf dem Prüfstand", fasst Seehofer an seinem neu entworfenen Rednerpult zusammen. Die Besorgnisse seien groß, die Lage ernst.

Für ein wenig Gemütsaufhellung sorgen bei Seehofer die jüngsten Umfragen, die die CSU zwar bei unter 50 Prozent, aber stabil auf Kurs absolute Mehrheit sehen. Der Chef mahnt die Seinen jedoch vor Selbstzufriedenheit. "Es gibt keinen Grund zur Euphorie, weder für die Partei, noch für einzelne Personen", mahnt er und meint damit vermutlich vor allem den Umfrage-Überflieger Markus Söder. Besorgt und ärgerlich zugleich ist Seehofer darüber, dass die CSU zu ihrer Politik zwar hohe Zustimmung aus allen Teilen der Bevölkerung erhält, aber trotzdem unter der 50-Prozent-Marke festhängt. 10 bis 15 Prozentpunkte mehr Potenzial sieht Seehofer für seine Partei.

Wähler zurückholen


Das seien jene Wähler, die sich "woanders angesiedelt" hätten - nämlich bei der AfD - oder sich in Wahlenthaltung übten. Die wolle man zurückholen, was aber nur mit einer anderen Flüchtlingspolitik im Bund möglich sei. Immer wieder höre er von Bürgern, dass sie die CSU gerne wählen würden, was aber eine Unterstützung der ungeliebten Berliner Politik wäre. Er habe in dieser "aufgewühlten Situation" Verständnis für Äußerungen aus der CSU, die die Kanzlerschaft Merkels in Frage stellten. Sein Ziel bleibe es "bis auf Weiteres", in die CDU hineinzuwirken und so für eine andere Flüchtlingspolitik zu sorgen. Die Parteizentrale mag also neu sein, doch in Richtung Berlin kehrt der Hausherr weiter mit dem alten eisernen Besen.
Die gesellschaftliche und politische Stabilität unseres Landes steht auf dem Prüfstand.CSU-Vorsitzender Horst Seehofer

Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.