Seehofer: In der Modellbau-Affäre „keinen Einfluss genommen“
„Bin kein Ersatz-Staatsanwalt“

"Ich habe immer die Auffassung vertreten, dass eine private Angelegenheit auch privat ist." Zitat: Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU)
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Bayern
01.07.2016
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München. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat sich nach eigenen Worten strikt aus der Modellbau-Affäre herausgehalten, die 2014 zum Sturz seiner damaligen Staatskanzleichefin Christine Haderthauer führte. Weder habe er Nachforschungen über Haderthauers Rolle angestellt noch Einfluss genommen. "Ich kann nicht als Ersatz-Staatsanwalt tätig werden", betonte der Ministerpräsident am Donnerstag als Zeuge im Untersuchungsausschuss Modellbau. Wenn er mit Recherchen begänne, wäre das für die Regierungsarbeit notwendige Vertrauensverhältnis sofort zerstört.

Die Opposition, insbesondere der Ausschussvorsitzende Horst Arnold, wollte wissen, warum Seehofer 2014 seine Staatskanzleichefin so lange im Amt hielt, obwohl sie im Landtag und in den Medien immer stärker unter Druck geriet. Er habe "eiserne Grundsätze", betonte Seehofer: "Unschuldsvermutung, Transparenz und Rechtsstaatlichkeit und keine Einflussnahme."

Strafbefehl akzeptiert


Haderthauer war 2014 über die Affäre gestürzt. Sie und ihr Ehemann Hubert stehen im Zentrum der Modellbau-Affäre: Die Eheleute waren bis 2008 nacheinander Miteigentümer der Sapor Modelltechnik. Das Kleinunternehmen verkaufte teure Luxus-Modellautos, die ein in der Psychiatrie einsitzender Dreifachmörder konstruierte.

Auslöser der Affäre war der französische Geschäftsmann Roger Ponton, der die Haderthauers beschuldigte, ihn um Zehntausende Euro betrogen zu haben. Die Betrugsermittlungen gegen die CSU-Politikerin wurden jedoch eingestellt, sie akzeptierte einen Strafbefehl wegen eines Verstoßes gegen das Steuerrecht. Auch in dieser Hinsicht habe er nicht nachgefragt: "Ich kenne nicht den Strafbefehl mit der Begründung", sagte Seehofer. Haderthauer sei im September 2014 zurückgetreten und nicht von ihm entlassen worden. Das Landgericht München II verurteilte Ehemann Hubert Haderthauer wegen versuchten Betrugs und Steuerhinterziehung zu einer Geldstrafe.

"Zuverlässig und loyal"


Ihre Aufgaben als Ministerin habe Haderthauer "sehr, sehr gut und zuverlässig und loyal" erfüllt, sagte Seehofer. Er hätte sie "nie entlassen". Damals habe er aus den Medien von den Vorwürfen erfahren. "Für mich hat sie plausibel erklärt, da ist nichts dran, sie ist raus aus dieser Firma." Seehofer: "Ich habe immer die Auffassung vertreten, dass eine private Angelegenheit auch privat ist."

Die SPD warf dem Ministerpräsidenten vor, nicht früher eingegriffen zu haben: "Horst Seehofer hat es im Sinne der von ihm geforderten Transparenz versäumt, bereits frühzeitig für Aufklärung zu sorgen", kritisierte Ausschuss-Chef Arnold.

Ich habe immer die Auffassung vertreten, dass eine private Angelegenheit auch privat ist.Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU)
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