Seehofer und Sobotka pochen auf Fortschritte beim Ausbau der Ost-West-Verbindungen
Bayern hinkt hinterher

Als Gastgeschenk gab es eine kleine "Bavaria": Der tschechische Ministerpräsident Bohuslav Sobotka (links) und Horst Seehofer beim Auftakt des zweitägigen Besuchs in Bayern. Bild: dpa
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Bayern
10.03.2016
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Die Eiszeit ist der Routine gewichen. München und Prag können miteinander. Horst Seehofer und Bohuslav Sobotka pochen gemeinsam auf Fortschritte bei den Verkehrs-Verbindungen zwischen Ost und West.

Von Jürgen Umlauft

München. Tschechien will die Fernstraße D6 von Prag über Karlsbad nach Eger vierspurig ausbauen und damit einen zweiten leistungsfähigen Straßenanschluss zur ostbayerischen Autobahn A 93 schaffen. Das kündigte der tschechische Ministerpräsident Bohuslav Sobotka am Donnerstag bei einem Besuch in München an. Er hoffe, dass auch der Ausbau auf bayerischer Seite bis zur tschechischen Grenze bei Schirnding vorankomme, sagte Sobotka nach einem Gespräch mit seinem bayerischen Amtskollegen Horst Seehofer.

Die beiden Regierungschefs waren sich zudem einig, dass die Verbesserung der Eisenbahnverbindungen München-Prag über Furth im Wald und Nürnberg-Prag über Marktredwitz "vorrangige Verkehrsprojekte in beiden Ländern" sind. "Wir wollen den grenzüberschreitenden Schienenverkehr ins 21. Jahrhundert führen", sagte Sobotka. Seehofer ergänzte, die Verbesserung der Schienenverbindungen zwischen Bayern und Tschechien sei "wichtiger als vieles andere, über das in Bayern an Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen diskutiert wird". "Wir brauchen dringend zeitgemäße Ost-West-Verbindungen auf der Schiene", erklärte Seehofer.

Sobotka kündigte an, ab 2020 mit der Erneuerung des Streckenabschnitts von Pilsen über Domazlice zur Staatsgrenze beginnen zu wollen. Damit sei aber keine Priorisierung dieser Strecke gegenüber der weiter im Norden liegenden nach Nürnberg verbunden. Schließlich habe man auch schon in die Strecke Pilsen-Eger investiert. Seehofer ergänzte, es sei aus bayerischer Sicht "unbefriedigend", dass Tschechien beim Schienenausbau schon weiter sei als Deutschland. Er setze aber auf die Aufnahme des grenzüberschreitenden Schienenprojekte in den neuen Bundesverkehrswegeplan, der am kommenden Mittwoch vorgestellt werden soll. Um die Umsetzung zu beschleunigen, habe Bayern sechs Millionen Euro für entsprechende Vorplanungen eingestellt, ohne dafür eigentlich verantwortlich zu sein.

Nach ihrem Gespräch im Prinz-Carl-Palais besuchten Seehofer und Sobotka die Weiße-Rose-Stiftung und das NS-Dokumentationszentrum. Anschließend besichtigten sie gemeinsam den Raum, in dem 1938 das Münchener Abkommen unterzeichnet wurde, das die Aufteilung der Tschechoslowakei und den Anschluss des Sudetenlands an das Deutsche Reich besiegelte.
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