Silvesterpredigten
Kardinal Reinhard Marx: Nicht mit Angst auf das neue Jahr schauen

Der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Kardinal Marx, mahnte in seiner Predigt zum Jahreswechsel, das "große christlich geprägte Friedensprojekt Europa" zu unterstützen. Bild: dpa
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Bayern
02.01.2016
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s Bischöfe haben in ihren Silvesterpredigten das Engagement für Flüchtlinge sowie die Situation von Familien in den Mittelpunkt gestellt. Kardinal Reinhard Marx rief dazu auf, nicht mit Angst auf das neue Jahr zu schauen. Viele Sorgen seien zwar berechtigt, "aber unsere Hoffnung ist größer".

München/Nürnberg. (epd/KNA) Gerade die Christen hätten in dieser "turbulenten Zeit" besondere Verantwortung, weil sie neue Hoffnung in die Gesellschaft tragen könnten, so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Der katholische Erzbischof von München und Freising rief im Liebfrauendom dazu auf, "in diesen unruhigen Zeiten den Blick neu auf das Zentrum des Glaubens zu richten, uns neu zu vergewissern, was wir einzubringen haben in diese Gesellschaft und Kultur".

Marx: "Gewalt überwinden"


Unkenrufen, wonach die Säkularisierung unumkehrbar sei und immer weniger Menschen Freude am Glauben hätten, erteilte er eine Absage. Es gelte zudem, Wege zu finden, um Gewalt zu überwinden und Krieg zu ächten. Er appellierte an die Gläubigen, "mitzuhelfen, dass das große christlich geprägte Friedensprojekt Europa nicht zugrunde geht". Dazu gehöre, dass die EU-Außengrenzen keine "Todesfallen" sein dürften.

Nach Auffassung des bayerischen Landesbischofs Heinrich Bedford-Strohm sollten die Menschen mit Dankbarkeit und zugleich Demut ins neue Jahr gehen. Die große Unterstützung für die Flüchtlinge sei ein Anlass zur Dankbarkeit, betonte er. Dazu gehöre aber auch Demut. Denn auch in Deutschland gebe es noch viel zu tun, wie die "beängstigend zunehmende Gewalt" gegen Flüchtlingsunterkünfte zeige, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Von einer Führungslosigkeit in der Flüchtlingskrise sprach Eichstätts Bischof Gregor Maria Hanke. "Gefechte über eine Obergrenze für Flüchtlinge oder ob die Regulierung der Flüchtlingszuwanderung über Geldströme an die Türkei erfolgt, die dann de facto das Kontingent bestimmt, fördern nicht das Vertrauen." Gleichzeitig rief er dazu auf, die Ursachen, darunter auch Waffenexporte, zu bekämpfen. "Für Europa bedeute das, eine Entwicklungspolitik zu betreiben, die nicht unseren eigenen wirtschaftlichen Interessen dient, die nicht Almosen gibt, sondern teilt."

Sowohl Hanke als auch der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann würdigten das Engagement der Ehren- und Hauptamtlichen für Flüchtlinge. Hofmann sprach von der "wachsenden Herausforderung" der Integration. Hanke erinnerte daran, dass dafür nicht nur Deutschkurse oder Benimmfibeln nötig seien. Ludwig Schick forderte einen höheren Stellenwert für Familien, der sich im Steuer- und Arbeitsrecht oder bei der Rente bemerkbar machen müsse.

Zudem warnte der Bamberger Erzbischof vor Gender-Theorien, die Unterschiede zwischen Mann und Frau aufheben: "Wir wollen die Gleichberechtigung der Geschlechter, aber nicht die Gleichheit."

Sehnsucht nach Halt


Der Passauer Bischof Stefan Oster sprach in seiner Predigt von "vielen Hoffnungszeichen" am Ende des Jahres. "Wir erleben die Sehnsucht vieler Menschen nach Glauben, nach Halt, nach Sinn." Zudem begegneten ihm immer wieder Menschen, die zum Glauben zurückfänden. Das sei auch eine Herausforderung für die Kirche.
Für Europa bedeute das, eine Entwicklungspolitik zu betreiben, die nicht unseren eigenen wirtschaftlichen Interessen dient, die nicht Almosen gibt, sondern teilt.Gregor Maria Hanke, Bischof in Eichstätt
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