SPD-Politiker Hans-Jochen Vogel wird 90
"Zeit, Rechenschaft abzulegen"

Der frühere SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel feiert am Mittwoch seinen 90. Geburtstag. Bild: dpa
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Bayern
30.01.2016
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München. Hans-Jochen Vogel, altgedienter katholischer SPD-Spitzenpolitiker, vollendet am Mittwoch sein 90. Lebensjahr. Der gebürtige Göttinger prägte über Jahrzehnte die deutsche Sozialdemokratie. Dieser Tage ist im Herder-Verlag sein, wie er selbst schreibt, "letztes Buch" erschienen. Unter dem Titel "Es gilt das gesprochene Wort" enthält es Reden, Gedanken und Würdigungen des Politikers aus den vergangenen Jahrzehnten. Der in zweiter Ehe verheiratete Vogel lebt mit seiner Frau in einem Münchener Seniorenstift.

Er sei nun in einem Alter, in dem es "hohe Zeit" werde, Rechenschaft abzulegen, notiert Vogel. Dazu gehöre auch die Auseinandersetzung mit dem, "was man in seinen öffentlichen Funktionen gesagt oder geschrieben hat". Das Geleitwort hat der kürzlich gestorbene Altkanzler Helmut Schmidt (1918 bis 2015) geschrieben. Wenige Tage vor dessen Tod am 10. November habe ihn der Text noch erreicht, so der Sozialdemokrat. Aber nicht nur deshalb berührten ihn die Worte Schmidts, sondern weil dieser von der Freundschaft spreche, "die uns über Jahrzehnte verband und die in meinem Gedächtnis fortbestehen wird".

Mit 34 Jahren wurde Vogel 1960 in München jüngster Oberbürgermeister einer europäischen Millionenstadt, in der sozialliberalen Koalition diente er unter Willy Brandt und später unter Schmidt in Bonn als Bau- und Justizminister. Seine eigenen Ambitionen als Kanzlerkandidat musste er nach der Wahlniederlage 1982 gegen Helmut Kohl (CDU) begraben. Als Fraktionschef im Bundestag und Parteivorsitzender bekleidete er aber noch bis 1991 Spitzenämter in der SPD.

Bis heute engagiert sich Vogel gesellschaftlich, unter anderem als Gründungsvorsitzender des Vereins "Gegen Vergessen - Für Demokratie". Zu Tagungen der Katholischen Akademie in Bayern kommt er gerne, wenn es sein Gesundheitszustand zulässt, und beteiligt sich dann auch an aktuellen Debatten. Als Katholik und Jurist hält Vogel das Staat-Kirche-Verhältnis in Deutschland für gelungen, wie er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) einmal sagte. Es sprächen gute Gründe dafür, daran festzuhalten. Dabei schließe er die Kirchensteuer und die "aus der Weimarer Verfassung übernommenen Regelungen des Grundgesetzes" mit ein.
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