SPD trauert um Münchner Alt-OB
Georg Kronawitter gestorben [Aktualisierung]

Der Alt-Oberbürgermeister der Stadt München, Georg Kronawitter (SPD), nach seiner Rede beim Landesparteitag der Bayern SPD im Juli 2011. Archivbild: dpa
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Bayern
29.04.2016
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Die drei ehemaligen Münchener Oberbürgermeister Georg Kronawitter (von links), Christian Ude Hans-Jochen Vogel prosten einander zu. Archivbild: dpa

München. Der Münchner Alt-Oberbürgermeister Georg Kronawitter ist tot. Das teilten die Stadt München und die SPD in der Landeshauptstadt am Freitag mit. Der SPD-Politiker sei am Donnerstagabend, eine Woche nach seinem 88. Geburtstag, nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben, hieß es in einer Mitteilung der SPD. "Wir trauern um einen großartigen Menschen, einen überaus erfolgreichen Politiker und einen echten Freund." Kronawitter war von 1972 bis 1978 und von 1984 bis 1993 Oberbürgermeister der Landeshauptstadt.

Oberbürgermeister Dieter Reiter kondolierte Kronawitters Frau Hildegard mit einem Beileidsschreiben. "Mit großem Bedauern und Bestürzung habe ich erfahren, dass Schorsch Kronawitter, unser allseits geschätzter Altoberbürgermeister und Ehrenbürger verstorben ist", schrieb Reiter. "Zu diesem schmerzlichen Verlust spreche ich Dir und allen Angehörigen im Namen des Stadtrats der Landeshauptstadt München und persönlich das allerherzlichste Mitgefühl aus."

Er hat sich vor allem als "Anwalt der kleinen Leute", als "Robin Hood der Finanzpolitik" oder als "Volksoberbürgermeister" einen Namen gemacht. Dieter Reiter (SPD), amtierender Münchener Oberbürgermeister über seinen Vorgänger Georg Kronawitter


Kronawitter galt als ein mit allen Wassern gewaschener Taktiker - und war sehr populär. "Er hat sich vor allem als 'Anwalt der kleinen Leute', als 'Robin Hood der Finanzpolitik' oder als 'Volksoberbürgermeister' einen Namen gemacht", schrieb Reiter. Kronawitter wurde 1928 im Landkreis Pfaffenhofen geboren. Der Bauernsohn war nach dem Studium als Lehrer tätig, ehe er im Jahr 1966 für die SPD in den Landtag einzog - und dort Agrarexperte wurde. 1972 gewann er als Nachfolger von Hans-Jochen Vogel erstmals die OB-Wahl in München. Im Streit mit dem linken Flügel der SPD scheiterte Kronawitter 1976 bei der Nominierung für eine zweite Amtsperiode. Doch 1984 gelang ihm ein Comeback, er löste CSU-OB Erich Kiesl ab. "Dass ich den Posten für die SPD zurückholen konnte, hat mich in meinem politischen Leben am meisten gefreut", sagte er einmal rückblickend.

1993 sorgte Kronawitter für eine Überraschung, als er kurzfristig seinen Rücktritt ankündigte, obwohl die Amtszeit noch drei Jahre lief. Als Nachfolger schlug er Christian Ude vor. "Damals war ich 65 und insgesamt 15 Jahre im Amt. Ich hab' gesagt: Jetzt langt's." Für eine Legislaturperiode zog Kronawitter nochmals in den Landtag ein, 1998 ging er endgültig in den Ruhestand - blieb aber dennoch für viele weitere Jahre politisch aktiv.


Die SPD kann nur gewinnen, wenn sie der Bevölkerung klar macht, dass wir zwar den Kleinen nicht alles ersparen können, aber auch die Großen drannehmen. Georg Kronawitter in einem Interview kurz vor seinem 80. Geburtstag


Zeitlebens hat sich der "rote Schorsch" als Anwalt des "kleinen Mannes" verstanden. Unverzagt wetterte er gegen die Großkopferten und - wenn es sein musste - ebenso gegen die eigenen Parteifreunde. So sagte er kurz vor seinem 80. Geburtstag in einem Interview: "Die SPD kann nur gewinnen, wenn sie der Bevölkerung klar macht, dass wir zwar den Kleinen nicht alles ersparen können, aber auch die Großen drannehmen."
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