Staatsregierung sieht keine Eile bei Reform
Nachsitzen fürs Gymnasium

Die Einführung eines flächendeckenden G9 in ganz Bayern ist das Gebot der Stunde.
Politik BY
Bayern
21.04.2016
25
0

Vor 13 Jahren kündigte der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber völlig überraschend die Verkürzung der Gymnasialzeit an. Folge: Bis heute wird über die Reform der Reform debattiert. Die Staatsregierung sieht keine Eile.

München. CSU und Staatsregierung wollen sich zu keiner schnellen Entscheidung über die Zukunft des bayerischen Gymnasiums drängen lassen. Mit ihrer Mehrheit im Landtag lehnte die CSU Dringlichkeitsanträge von SPD und Freien Wählern ab, in denen die baldige Abkehr vom derzeit achtjährigen Gymnasium (G8) gefordert wurde.

Hintergrund sind die Anmeldezahlen in den 47 Pilot-Gymnasien im Freistaat, in denen die um ein Jahr verlängerte "Mittelstufe plus" erprobt wird. Dort haben sich bereits für das laufende Schuljahr rund 60 Prozent der Eltern und Schüler für den neunjährigen Zug entschieden. Nach stichprobenartigen Auswertungen wird die Quote für das kommende Schuljahr wohl auf bis zu 70 Prozent steigen.

Am Rande des Landtagsplenums ließ Ministerpräsident Horst Seehofer nun durchblicken, die Entscheidung über die künftige Ausgestaltung des Gymnasiums spätestens im Frühjahr 2017 fällen zu wollen. Ziel sei, einen nahtlosen Übergang für die im Sommer 2017 auslaufende Pilotphase zu schaffen. Die Anmeldungen für das Schuljahr 2017/18 stünden im späten Frühjahr 2017 an, bis dahin müsse für Schulen, Eltern und Schüler Klarheit herrschen. Wie diese aussehen könnte, ließ Seehofer offen. "Da besteht jetzt kein Anlass, etwas hektisch und oberflächlich vorwegzunehmen", sagte Seehofer. Bereits früher hatte er jedoch betont, dass man Entscheidungen nicht gänzlich am Elternwillen vorbei treffen könne.

"Abstimmung mit Füßen"


In der Landtagsdebatte erklärte Michael Piazolo (Freie Wähler), dass die Eltern in Sachen G9 wie von ihm erwartet "mit den Füßen abgestimmt" hätten. Der Modellversuch zur "Mittelstufe plus" zeige eindeutig, dass die große Mehrheit der Eltern und Schüler ein neunjähriges Gymnasium befürworteten. "Die Einführung eines flächendeckenden G9 in ganz Bayern ist das Gebot der Stunde", sagte Piazolo. Die Freien Wähler stünden für die Umsetzung des Bürgerwillens und würden solange Druck machen, bis dieser erfüllt sei. Die Staatsregierung müsse umgehend ein Konzept zur Umsetzung des G9 entwickeln, das das Gymnasium bereits ab der 5. Klasse entzerre und die Schüler vom Druck befreie.

Martin Güll (SPD) bezeichnete das Wahlverhalten der Eltern als "Denkzettel" für die Staatsregierung. Die Zukunft des Gymnasiums müsse deshalb grundsätzlich vom G9 her gedacht werden, aber "Überholspuren" für besonders leistungsstarke Schüler ermöglichen. Das "Gemurkse" mit Flexi-Jahren und der "Mittelstufe plus" müsse aufhören. Güll forderte, nicht bis zum Abschluss der Pilotphase mit Entscheidungen zu warten, sondern allen Gymnasien bereits zum nächsten Schuljahr den Einstieg ins G9 zu ermöglichen. Dagegen warnte Thomas Gehring (Grüne) vor Schnellschüssen. Es brauche eine pädagogische Reform für das gesamte Gymnasium, weshalb es vor Entscheidungen eines ausführlichen, wissenschaftlich begleiteten Diskurses bedürfe. "Einen zweiten Flop können wir uns nicht leisten", sagte Gehring mit Blick auf das G8.

Spaenle: "Heiße Luft"


Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) sah keinen Grund für die von der Opposition ausgelöste Debatte. Diese sei "heiße Luft", die Landtagsinitiativen "Schaufensteranträge". Die Staatsregierung werde ihren Fahrplan mit der Pilotphase der "Mittelstufe plus" konsequent weitergehen und ihre Entscheidung erst auf einer gesicherten Datengrundlage treffen. Der CSU-Bildungspolitiker Gerhard Waschler ergänzte, man werde "ohne Hektik eine zukunftsgerichtete Entscheidung treffen". Dabei werde der Pilotversuch "ergebnisoffen" ausgewertet.
Die Einführung eines flächendeckenden G9 in ganz Bayern ist das Gebot der Stunde.Michael Piazolo (Freie Wähler)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.