Staatstregierung kämpft gegen weitere Stromtrasse
Freistaat fordert Erdverkabelung nach Schwandorf

Das war nicht Grundlage der Vereinbarung vom Juli 2015 und widerspricht der bayerischen Forderung, den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien an der Netzstruktur auszurichten und nicht umgekehrt.
Politik BY
Bayern
23.12.2015
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Der Kampf der Staatsregierung gegen zwei neue Stromtrassen war nur teilweise erfolgreich: Die Leitungen kommen - wenn auch zu weiten Teilen unter der Erde. Nun lehnt München erneut ein weiteres Trassenprojekt ab.

München. Die Staatsregierung fordert weitere Änderungen an den Plänen zum Stromnetzausbau in Bayern. Neben Vorzügen, wie dem Vorrang für die Erdverkabelung neuer Gleichstromtrassen, enthalte der auf der Basis des Berliner Koalitionskompromisses vom Juli erarbeitete Netzentwicklungsplan 2025 Punkte, die Bayern nicht hinnehmen könne, sagte Staatskanzleiminister Marcel Huber am Dienstag in München. Bayern lehnt die Verdoppelung der Übertragungsleistung auf der geplanten Süd-Ost-Passage (HGÜ) durch Oberfranken und die Oberpfalz auf 4 Gigawatt und die Verstärkung oder den teilweisen Neubau einer 380-kV-Leitung durch das westliche Oberfranken in die Region Nürnberg ab.

Bei der HGÜ-Gleichstromtrasse wertete es Huber als positiv, dass der Endpunkt nicht mehr im schwäbischen Gundremmingen, sondern am Kernkraftwerk Isar II bei Landshut liegen solle. Dort sei ein leistungsfähiges Verteilnetz vorhanden, zudem verkürze sich die Trassenlänge durch Bayern. Der Freistaat lehne aber die Verdoppelung der Übertragungsleistung auf der Süd-Ost-Passage ab. "Das war nicht Grundlage der Vereinbarung vom Juli 2015 und widerspricht der bayerischen Forderung, den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien an der Netzstruktur auszurichten und nicht umgekehrt", erklärte Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. Nach den Plänen der Netzbetreiber soll auf der Süd-Ost-Passage noch mehr Windstrom aus Norddeutschland abtransportiert werden. "Eine doppelt so breite Trasse wie vereinbart werden wir auf keinen Fall hinnehmen", sagte Aigner.

Erdkabel nach Schwandorf


Die Staatsregierung dringt auf die weitgehende Erdverkabelung des vor einer Aufrüstung stehenden Ostbayernrings durch das östliche Oberfranken und die Oberpfalz nach Schwandorf. "Wir fordern hier den Einsatz modernster Technik", sagte Huber. Dies gelte vor allem im Bereich von Ortschaften. Zu den Trassenführungen konnte er sich nicht äußern. Der Netzentwicklungsplan 2025 sei ein "unscharfes Werk, in dem noch nicht alle Details und Trassenführungen erkennbar sind". Insgesamt seien die Modifizierungen an den Planungen aber ein "großer Erfolg". Sobald präzisere Pläne zu Trassen vorlägen, werde man in einen intensiven Dialog mit den Bürgern treten, um die bestmöglichen Lösungen zu finden. (Kommentar)
Das war nicht Grundlage der Vereinbarung vom Juli 2015 und widerspricht der bayerischen Forderung, den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien an der Netzstruktur auszurichten und nicht umgekehrt.Ilse Aigner (CSU), bayerische Wirtschaftsministerin
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