Stadtrat lehnt geschlossen den Korridor 42 strikt ab - Abstände zu Wohnhäusern zu gering - ...
Marktredwitz gegen stadtnahe Stromtrasse

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Bayern
28.10.2016
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Marktredwitz. Noch ist nichts fix, und noch ist nicht einmal das förmliche Planungsverfahren für den Süd-Ost-Link, die Gleichstromtrasse zwischen Wolmirstedt und Isar, eröffnet. Der Stadtrat Marktredwitz hat sich aber bereits jetzt strikt gegen einen der beiden Trassenvorschläge der Firma Tennet, nämlich den ortsnahen, gewandt. In einer einstimmig verabschiedeten Stellungnahme an den Netzbetreiber lehnt die Stadt die Trasse 42 ab.

Nachdem René Queren von Tennet den Stand der Planungen in der Sitzung am Dienstag erläutert hatte, legte Bauamtsleiter Stefan Büttner den Entwurf der Stellungnahme vor. Wie Oberbürgermeister Oliver Weigel sagte, gehe es darum, bereits jetzt aktiv zu werden. Und Büttner machte gleich zu Beginn deutlich: "Wir sehen es anders als der Betreiber." Nach seiner Meinung sei es etwas zynisch, wenn eine Region, die sich sehr für erneuerbare Energien einsetze, auch noch eine Trasse bekomme. Gut sei zwar, dass die Freileitung vom Tisch sei und dass Tennet sehr bürgernah und kooperativ agiere, nichtsdestotrotz seien auch die Folgen der Erdverkabelung relativ unbekannt.

Detailliert legte Büttner die Gründe für die Ablehnung der Trasse 42 dar: Erstens liege das Haus Neu-Haag 14 innerhalb der Trasse. Die Abstände zu den nächsten Wohngebäuden innerhalb des Korridors betragen nach Büttners Aussage nur 407 Meter in Richtung Brand und 205 Meter zum Ortsteil Neu-Haag. Damit könne der von Tennet vorgegebene Mindestabstand nicht eingehalten werden. Der Bauamtsleiter wies auch auf die Belange des Naturschutzes hin: Südlich der Kreisstraße WUN 18 verlaufe die Trasse 42 durch Landschaftschutzgebiete. Aufgrund der Größe des Areals könne der Erdkabelkorridor nicht mit Hilfe einer horizontalen Bohrung gequert werden. Eine oberirdische Zerschneidung sei daher die Folge. Büttner wies auch darauf hin, dass sich im Landschaftsschutzgebiet ein naturnaher Laubmischwald entwickelt habe. Bei der Erdverkabelung müsste eine 20 bis 40 Meter breite Schneise geschlagen werden, eine Wiederaufforstung sei nicht möglich. Das habe eine Störung des ökologischen Gleichgewichts zur Folge, sei schlecht für den Tourismus und habe negative wirtschaftliche Folgen für die Grundstückseigentümer. Zudem gebe es an der Röslau und der Kösseine FFH-Schutzgebiete. Zwar könne Tennet diese mit einer Bohrung unterqueren, welche Auswirkungen dies auf das Grundwasser und die Pflanzengesellschaften haben werde, sei fraglich. "Es bleibt auf jeden Fall ein massiver Eingriff."

Nördlich der WUN 18 verlaufe die Trasse entlang eines Gewerbegebietes. Die dort ansässige Firma will nach Büttners Aussage in den kommenden Jahren erweitern und benötigt weitere Gewerbeflächen, was zu einer Überschneidung mit der Trasse 42 führe. Ebenfalls in diesem Bereich liege ein mögliches Baugebiet zur Erweiterung des Ortsteiles Brand. Uta Siegle (CSU) schlug vor, auch das Geologische Landesamt für eine Stellungnahme zu kontaktieren. Auf Nachfrage von Gisela Wuttke-Gilch (SPD) sagte Büttner, dass die Stadt wohl mit einem der beiden Trassenvorschläge werde leben müssen.

Nur VorschlägeEinige kritische Fragen hat sich René Queren, Teilprojektleiter Planung und Genehmigung des Netzbetreibers Tennet, bei seinem Besuch im Marktredwitzer Stadtrat anhören müssen. Dabei warb Queren um Vertrauen: Tennet lege Wert auf die Beteiligung der Bürger und sei für Hinweise aufgeschlossen. Grundsätzlich seien die jetzt vorliegenden Korridore nur Vorschläge. Robert Sroka (CSU) fragte, ob es Bereiche mit Freileitungen geben könnte. Dies wollte der Tennet-Vertreter nicht verneinen. Ein Problem könnten schutzwürdige Arten und deren Lebensraum sein, die zwar nicht unter dem Betrieb, aber unter der Verlegung der Erdkabel leiden. Queren geht davon aus, dass das Kabel dann um diese Gebiete herumgelegt wird. (fph)
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