Stromtrassen-Pläne
CSU und Tennet hoffen auf weniger Widerstand

Mit ihrer neuen Trassen-Begeisterung bleibt die CSU ziemlich alleine. Skepsis herrscht nicht nur bei Landwirten, auch Freie Wähler, der Bund Naturschutz und die regionalen Bürgerinitiativen lehnen das Großprojekt weiter ab. Bild: Herda
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Bayern
27.09.2016
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Die bayerische Staatsregierung applaudiert, weil sie Monstertrassen verhindert und Erdleitungen durchgesetzt habe. Die Opposition bekrittelt die teure Verzögerung des Projekts. Freie Wähler, Bürgerinitiativen, Bund Naturschutz und Landwirte lehnen es weiter ab.

Berlin/München. (dpa/jrh) Die Vorschläge für die unterirdische Verlegung der umstrittenen Starkstromautobahnen durch ganz Deutschland stoßen bei der bayerischen Staatsregierung auf große Zustimmung. "Wir gehen von einer erheblichen Reduzierung des Widerstandes aus", sagte Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) am Dienstag in München.

Das Konzept sieht für beide Leitungen jeweils einen Kilometer breite Trassenkorridor-Alternativen vor. Ab der kommenden Woche sollen die Planungen für Informationsbörsen im gesamten Trassenbereich starten. Die danach ermittelte Vorzugstrasse soll bis Ende März 2017 bei der Netzagentur eingereicht werden. Ein Baubeginn ist frühestens 2020 möglich.

Die Gesamtkosten für den Bau der beiden Stromautobahnen Süd-Link und Süd-Ost-Link mit sechs oder gar sieben Milliarden Euro relativierte Aigner mit dem Hinweis, dass die Investitionskosten auf 40 Jahre angelegt seien. Zudem würden bereits bestehende Netzengpässe im Falle eines Nichtbaus jährliche Kosten in Milliardenhöhe mit sich bringen.

"Keine politische Trasse"

Horst Seehofer (CSU) wertet die Tennet-Vorschläge als Erfolg der CSU-Politik: "Unterirdische Infrastruktur ist nicht ein Problem, sondern die Lösung für die Zukunft." Von der Leitungsführung betroffen sind auch die Oberpfalz und Oberfranken. Wo die Leitungen genau verliefen, hänge von fachlichen Gründen ab, betonte Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer (CSU): "Es gibt keine politische Trasse."

Albert Füracker, Staatssekretär im Heimatministerium, will St.-Florians-Tendenzen vorbeugen: "Tut mir bitte den Gefallen und schreit nicht gleich wieder, ,nicht bei uns', lasst uns sachlich vor Ort über den Verlauf diskutieren." Der Appell galt nicht grünen Kritikern, sondern den Delegierten beim CSU-Bezirksparteitag. "Die Trassen hat nicht Tennet beschlossen oder das Heimatministerium, sondern der Bundestag."

Der Waldthurner Bundestagsabgeordnete Albert Rupprecht begrüßt, dass die Leitungen im Boden verschwinden sollen. Andererseits wolle er nichts beschönigen: "Ob oberirdisch, unterirdisch und wo auch immer, sie belasten Menschen, Natur und Landschaft vor Ort." Deshalb fordert der forschungspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion eine echte Beteiligung aller Interessensgruppen: "Und zwar auch derjenigen, die die Trassen weiter ablehnen." Dass Landwirte und besonders Waldbesitzer skeptisch sind, sei "absolut nachvollziehbar".

Atomstrom aus Europa

Kritik an dem Projekt wird nicht nur in der Opposition laut. "Nicht der Verlauf oder die Frage, ob Masten oder Erdkabel, ist für uns entscheidend", lehnt Jörg Hacker, Sprecher des Fichtelgebirgsvereins, im Bündnis mit Vertretern von Bürgerinitiativen, Bund Naturschutz und Bauernverband, das Projekt weiter ab. "Wir fordern aufgrund von massiven Zweifeln an der Rechtmäßigkeit der Vorgehensweise ein Planungsmoratorium." Die Trassengegner sind davon überzeugt, dass nicht Windstrom aus dem Norden, sondern "vor allem Kohle- und Atomstrom aus ganz Europa" eigentliches Motiv für den Bau ist.
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