Treffen von AfD und FPÖ auf der Zugspitze
Rechter Bruderkuss

AfD-Vorsitzende Frauke Petry und der FPÖ-Vorsitzende Heinz-Christian Strache auf der Zugspitze. Bild: dpa
Politik BY
Bayern
10.06.2016
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In Österreich ist die FPÖ schon da, wo die AfD in Deutschland hin will. Nun planen die zwei Rechtsparteien eine Kooperation. Für Union und SPD verheißt es nichts Gutes.

Garmisch-Partenkirchen. Auf den Gipfel kommt AfD-Chefin Frauke Petry nicht, doch für die Bilder reicht es. "Wir wollen gemeinsam den höchsten Berg, den Deutschland zu bieten hat, erklimmen", sagt sie am Freitag bei einem Termin mit Österreichs FPÖ-Vorsitzenden Heinz-Christian Strache auf der Zugspitze. Beide Parteien wollen nun die "EU-kritischen Kräfte" im Europaparlament und anderswo bündeln.

Doch der 2962 Meter hohe Gipfel bleibt unbezwungen, zumindest von Petry und Strache an diesem Freitag. Die zwei Politiker ziehen ebenso wie Entourage und Presse die sichere Aussichtsplattform der absturzgefährdeten Kraxelei zum Gipfelkreuz vor. Für die Symbolik ist die einige Meter tiefer gelegene Terrasse völlig ausreichend: Die AfD-Vorsitzende will nach oben. Und von Österreichs FPÖ kann man dabei etwas lernen.

Die österreichischen Rechtspopulisten sind nicht nur bei Wahlen erfolgreicher, sondern auch im Umgang mit Öffentlichkeit, politischem Gegner und den Medien weit professioneller als die AfD, der ständig Pannen unterlaufen. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache würde sich mutmaßlich niemals so ungeschickt äußern wie AfD-Vize Alexander Gauland, der in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" erklärte, "die Leute" wollten den Fußballprofi Jérôme Boateng nicht als Nachbarn.

Strache ist jugendlich-dynamisch, telegen, gegelt und eloquent, und keinesfalls würden ihm latent rassistische Äußerungen über Nationalspieler mit Migrationshintergrund über die Lippen kommen: "Ich bin stolz auf jeden einzelnen Spieler, weil das alles leidenschaftliche Österreicher sind", sagt er über die Nationalmannschaft der Alpenrepublik. Der FPÖ-Chef ist seit Jahren bemüht, die politische Mitte zu besetzen. "Es wird immer wieder behauptet, das sind Parteien, die Europa zerstören wollen. Ein völliger Unsinn", sagt er. Und als Partei der bürgerlichen Mitte wollen auch Petry und die AfD auftreten.

Dabei ist offensichtlich, dass zumindest Teile der AfD den fremdenfeindlichen Vorstellungen der rechten Szene nahe stehen, wie nicht nur Gaulands Einlassungen zu unerwünschten Nachbarn oder viele Beiträge auf AfD-Facebookseiten zeigen.

Die Flüchtlingskrise wirkt wie ein Turbobeschleuniger für die AfD, und zur Verzweiflung der CSU erweckt Kanzlerin Angela Merkel den Eindruck, als seien ihr die Wähler auf der rechten Seite des bürgerlichen Spektrums völlig schnuppe. Doch nach sämtlichen Umfragen der vergangenen Monate ist auch CSU-Chef Horst Seehofers Strategie nicht aufgegangen, den Aufstieg der AfD durch Protest gegen Merkels Kurs in der Flüchtlingskrise einzudämmen.

Je nach Umfrageinstitut rangiert die AfD in Bayern zwischen acht und zehn Prozent. Petrys Erklärung dafür: "Die CSU schreit laut, aber in Berlin landet sie als weicher Bettvorleger der Kanzlerin. Man kann nicht Opposition in der eigenen Regierung betreiben." Das Beispiel Österreich zeigt jedenfalls, wie gefährlich ein Gegner auf der rechten Seite für Volksparteien ist - nicht nur für konservative. (Angemerkt)
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